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Airbus A400M: Das „fliegende Krankenhaus“ der Bundeswehr

Bisher galt der Airbus A400M als der Pannenflieger der Bundeswehr. Doch sein Image verbessert sich – und er bekommt neue Funktionen.

Der A400M auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

Der A400M auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

Foto: Carsten Koall / Getty Images

Berlin/Wunstorf.  Die Tragen sind viel schmaler als Betten im Krankenhaus, aber sonst sieht es so aus wie auf einer Intensivstation. Es gibt Geräte zur Beatmung, für Infusionen über Pumpen und für das Patientenmonitoring, also die Kontrolle der lebenswichtigen Werte wie Herzfrequenz oder Blutdruck. Mit dem Sauerstoff an Bord können Schwerverletzte bis zu zehn Stunden künstlich beatmet werden.

Die Bundeswehr kann ihr Transportflugzeug A400M jetzt auch als „fliegendes Krankenhaus“ für die Rettung von Verletzten aus Krisengebieten einsetzen. Eine als Sanitätsflugzeug ausgerüstete Maschine wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Nach der Vorführung dann der Flug zurück nach Wunstorf in Niedersachsen, wo der A400M stationiert sind. Wer sich anschnallte und die Ohrenstöpsel gegen den Lärm einsetzte, konnte erleben: Dieses Flugzeug fliegt tatsächlich. Und es liegt ruhig in der Luft.

Der A400M sei wie ein SUV, sagen die Piloten

Die Piloten, die zuvor den Oldtimer Transall geflogen sind, charakterisieren den A400M im Vergleich dazu als modernen SUV, einem mit allen technischen Finessen und Komfort ausgerüsteten geländegängigen Wagen.

Lange Zeit produzierte die als modernste Militärtransporter der Welt geltende Maschine nur Negativschlagzeilen. Es gab viele politische Streitigkeiten und technische Komplikationen, unter anderem Triebwerkprobleme oder Risse im Rumpf.

Sie haben die Auslieferung der insgesamt 53 bei Airbus bestellten Maschinen nach Angaben des Verteidigungsministeriums um mehr als elf Jahre verzögert, und die Kosten im Vergleich zur ursprünglich veranschlagten Summe um 1,5 Milliarden Euro erhöht.

Die größten Pannen bei der Bundeswehr
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Lange trug die Maschine das Etikett „Problemvogel“

Der A400M entwickelte sich vom Vorzeigeprojekt zum Problemfall, zu einem GAU für die Bundeswehr, zu einem Symbol für die miserablen Zustände bei der Beschaffung von Rüstungsgütern. Selbst der Truppe gegenüber sonst wohlmeinende Medien versahen den Flieger mit dem Etikett „Problemvogel“.

Anfang des vergangenen Jahres wollte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit einem A400M fliegen – doch die musste wegen einer Panne am Boden bleiben. Der Spott war groß.

Die Bundeswehr ist nun bemüht, den A400M doch noch zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Seit ein paar Monaten funktioniert nun die Luftbetankung von Kampfflugzeugen mit zu fliegenden Tankstellen umgerüsteten A400M. Ende Juli landete dann erstmals eine Maschine mit 75 Bundeswehr-Soldaten an Bord in Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans.

Operationen an Bord sind nicht möglich

Und nun folgte das „fliegende Krankenhaus“. Ab diesem Mittwoch bietet die Luftwaffe diesen Dienst an. Im Innenraum des Militärtransporters, in dem sonst 116 Soldaten inklusive Besatzung Platz finden, werden dann binnen drei bis vier Stunden die sechs Liegen und die medizinischen Geräte installiert.

Die künftigen Patienten müssen transportfähig sein und bereits am Einsatzort versorgt oder sogar schon operiert worden sein. Operationen an Bord sind nicht vorgesehen, dazu sind die Druckverhältnisse während des Fluges zu schlecht.

Die Aufgabe der Ärzte ist es vor allem, die Patienten zu stabilisieren, sie sicher nach Deutschland zu bringen. Ärzte aus den Bundeswehrkrankenhäusern in Berlin und Hamburg werden dann die Soldaten versorgen. Insgesamt werden 14 Soldaten zur Besatzung gehören, davon elf im medizinischen Bereich.

Geschätzt 30 Einsätze werden es 2019 sein

Benedikt Zimmer, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, sprach am Dienstag von einem wesentlichen Fortschritt. „Schutz und Versorgung der deutschen Soldatinnen und Soldaten ist uns die höchste Priorität“, sagte Zimmer. Bisher sei die medizinische Evakuierung eine internationale Mangelressource gewesen.

Aktuell können maximal sechs verwundete Soldaten versorgt werden, bald soll es jedoch auch möglich sein, acht oder zehn zu transportieren. Dies könnte vor allem wichtig für die Bundeswehr werden, wenn die Truppe in zukünftigen Einsätzen wieder verstärkt in schwere Kampfhandlungen verstrickt wird.

Im nächsten Jahr wird es nach Schätzungen etwa 30 Einsätze für das „fliegende Krankenhaus“ geben. Momentan kann die Bundeswehr nur einen A400M umrüsten, bis 2020 soll es aber vier Intensivstationen in der Luft geben. Bisher stand der Luftwaffe nur eine ältere Passagiermaschine A310 zur medizinischen Evakuierungen zur Verfügung.

Das Flugzeug hat eine Reichweite von 7000 Kilometern

Das neue Transportflugzeug hat mit einer normalen Auslastung eine Reichweite von etwa 7000 Kilometer, kann verwundete Soldaten also auch in Mali oder Afghanistan ohne Tankstopp abholen.

Zu den Vorteilen des A400M gehört, dass sie mit einem „Armoring Kit“ ausgestattet ist, das leichtem Beschuss standhalten kann. In den nächsten Jahren sollen die Militärtransporter mit weiteren defensiven Techniken ausgestattet werden – Infrarot-Erkennung, Radarschutz und ein Laserabwehrsystem, das gerade noch entwickelt wird.

Die Truppe hat bisher 19 dieser modernen Transporter von Airbus geliefert bekommen, alle sind in Wunstorf in der Nähe von Hannover stationiert, etwa acht Maschinen sind aktuell flugbereit, an den anderen wird plan- oder außerplanmäßig geschraubt. Bis 2026 soll die Bundeswehr die bestellten 53 Exemplare zur Verfügung haben, davon sind 13 zum Wiederverkauf vorgesehen.

Der Flieger hat noch Luft nach oben, heißt es aus dem Ministerium

Staatssekretär Zimmer gibt sich ehrgeizig. „Die Weiterentwicklung dieses Flugzeugs ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Zimmer in Richtung des Herstellers Airbus. Im letzten Monat seien im Schnitt acht der 15 verfügbaren A400M einsatzbereit gewesen. „Ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Zimmer glaubt, dass dieses Luftfahrtzeug „eines Tages ganz sicher eine Erfolgsgeschichte wird“.

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