Berlin

Wie Zuwanderung in anderen Ländern geregelt ist

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Berlin.  Vielen Befürwortern eines Einwanderungsgesetzes gilt das klassische Einwanderungsland Kanada als Vorbild. Es ist das erste Land, das ein Punktesystem für seine Zuwanderer eingeführt hat. Wer nach Kanada immigrieren möchte, muss einen Mangelberuf ausüben und einen Punktwert von mindestens 67 (von 100 Punkten) erzielen, um sich für das Einwanderungsprogramm zu qualifizieren. Das System umfasst sechs Kriterien: Sprachkenntnisse, Ausbildung, Berufserfahrung, Alter, Arbeitsangebot und Anpassungsfähigkeit. Hat ein Bewerber mehr als 67 Punkte erzielt, wird sein Dossier von den Migrationsbehörden geprüft, er muss ein ärztliches Attest und eine Polizeibescheinigung vorlegen, die Bearbeitungskosten und Bleiberechtgebühren sowie andere Gebühren bezahlen. Besonders viele Punkte bekommen jene, die schon ein Job-Angebot haben, jung sind und bereits längere Zeit im Land gelebt haben. Neuerdings gibt es auch Punkte dafür, wenn schon Geschwister dauerhaft in Kanada leben oder kanadische Bürger sind. Im Land nördlich der USA leben viele Menschen aus Ostasien und Indien. Kanada will in den nächsten Jahren mehr Zuwanderung erlauben. Hier geht es auch um wirtschaftliche Gründe: Immigration trage zum Wirtschaftswachstum bei und erhalte die Wettbewerbsfähigkeit, erklärte Integrationsminister Ahmed Hussen. Zudem sieht Ottawa Zuwanderung als Mittel gegen die Überalterung der Gesellschaft.

Wie Kanada sind auch die USA ein klassisches Einwanderungsland. Wer dauerhaft in den Staaten leben und arbeiten möchte, braucht eine Green Card. Gute Aussichten hat nur, wer etwa besonders qualifiziert oder mit einem US-Staatsbürger verheiratet ist oder wer in den USA investieren will. Die Einwanderungsbehörde veranstaltet seit 1990 zudem eine Lotterie, die jedem die Chance gibt, eine Green Card zu gewinnen. Ein Computer entscheidet nach dem Zufallsprinzip. US-Präsident Donald Trump, der die Zuwanderung eindämmen möchte, kämpft gegen die Green-Card-Lotterie, Demokraten und auch einige Republikaner halten dagegen. Trump plant ein Punktesystem, das Menschen bevorzugen soll, die Englisch sprechen und bestimmte berufliche Qualifikationen mitbringen. Der Präsident kritisierte, dass zu viele Arbeitnehmer mit geringen Qualifikationen legal ins Land gelassen würden, die US-Bürgern die Jobs wegnähmen.

In Australien gibt es ein ähnliches Punktesystem wie in Kanada. Wenn sich Ausländer dauerhaft auf dem Kontinent niederlassen möchten, spielen Ausbildung, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung und Alter eine Rolle. Dazu gehört auch ein Multiple-Choice-Test mit Fragen zu Demokratie, Gesetzen, Regierung und Landeskunde. Gefragt sind Mangelberufe. Neuankömmlinge sollten jünger als 45 Jahre alt sein. Auch in Australien gibt es Kräfte, die – wie Donald Trump in den USA – für eine härtere Zuwanderungspolitik streiten.

( dpa/BM )