NSU-Prozess

Chronologie – Vom ersten Mord bis zur Enttarnung des NSU

| Lesedauer: 4 Minuten
NSU-Prozess: Schuldig – lebenslange Haft für Beate Zschäpe

NSU-Prozess: Schuldig – lebenslange Haft für Beate Zschäpe

Politik Video

Beschreibung anzeigen

Lange ermittelten die Fahnder in andere Richtungen, erst nach zehn Morden flog der rechtsradikale NSU auf. Die Chronologie der Taten.

Berlin.  Es begann im September des Jahres 2000 in Bayern – am Ende sollten sieben Jahre später insgesamt zehn Todesopfer stehen. Die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wurde von den Fahndern lange nicht als Tat von Rechtsradikalen eingeschätzt. Wir dokumentieren hier die Morde – und das Ende des NSU.

• 9. September 2000, Nürnberg: Zwei Täter überraschen am 9. September 2000 den türkischen Blumengroßhändler Enver Simsek (38) vor einem Stand in Nürnberg. Simsek wird von Schüssen aus zwei Pistolen getroffen, zwei Tage später stirbt er im Krankenhaus. Simsek war 1986 aus der Türkei nach Deutschland gekommen, er galt als erfolgreicher Geschäftsmann.

• 13. Juni 2001, Nürnberg: Abdurrahim Özüdogru (49) wird 2001 in einer Änderungsschneiderei in der Nürnberger Südstadt mit zwei Schüssen in den Kopf getötet. Es zeigt sich, dass die schon beim Mord an Simsek benutzte Pistole des Typs Česká 83 auch in diesem Fall verwendet wurde. Özüdogru war 1980 aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Er arbeitete zunächst als Maschinkist, später eröffnete er die Schneiderei.

Blutige Spur des Neonazi-Terrors: Das ist der NSU
Blutige Spur des Neonazi-Terrors: Das ist der NSU

• 27. Juni 2001, Hamburg: Der türkeistämmige Obst- und Gemüsehändler Süleyman Tasköprü (31) wird im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld im Laden seines Vaters mit drei Schüssen getötet. Die von den Tätern benutzten Pistolen können als die auch beim Mord an Enver Simsek verwendeten identifiziert werden. Tasköprü hatte im April 2001 das Lebensmittelgeschäft der Familie übernommen.

• 29. August 2001, München: Der Obst- und Gemüsehändler Habil Kilic wird im Münchner Stadtteil Ramersdorf im Laden seiner Frau mit drei Schüssen in den Kopf getötet. Hauptberuflich war Kilic Staplerfahrer auf dem Münchner Großmarkt.

• 25. Februar 2004, Rostock: Der aus der Türkei stammende Mehmet Turgut (25) wird an einem Dönerimbiss in Rostock mit drei Kopfschüssen ermordet. Er war aus seinem Wohnort Hamburg nach Rostock gekommen, um für einen Freund als Aushilfe am Dönerstand einzuspringen.

• 9. Juni 2005, Nürnberg: Ismail Yasar (50), türkischer Besitzer eines Döner-Imbiss, wird in Nürnberg mit fünf Schüssen in Kopf und Herz getötet. Zeugen beobachten zwei sich auffällig verhaltende Männer mit Fahrrädern nahe dem Tatort. Ermittler fertigen Phantombilder an. Bei allen anderen Morden gibt es keine Zeugen.

• 15. Juni 2005, München: Der aus Griechenland stammende Theodoros Boulgarides (41), Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, wird vor seinem Laden im Münchner Westend ermordet. Drei Schüsse treffen ihn in den Kopf. Boulgarides, der 1973 nach München kam, hatte das Geschäft erst zwei Wochen vor seiner Ermordung eröffnet.

• 4. April 2006, Dortmund: Der Kioskbesitzer Mehmet Kubasik (39) wird in seinem Geschäft in der Dortmunder Nordstadt getötet. Kubasik war 1991 aus der Türkei nach Dortmund gekommen, wo er als kurdischer Asylbewerber anerkannt wurde. 2003 wurde er eingebürgert.

• 6. April 2006, Kassel: Halit Yozgat (21), Betreiber eines Internetcafés, wird in seinem Geschäft in Kassel durch zwei Kopfschüsse getötet. Er ist türkischer Abstammung. Yozgat verblutet in den Armen seines Vaters, der seinen Sohn gerade im Geschäft ablösen wollte.

• 25. April 2007, Heilbronn: Polizeivollzugsbeamtin Michèle Kiesewetter (22) wird in Heilbronn mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Ein weiterer Polizeibeamter wird ebenfalls von einem Schuss im Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt.

Zwei Leichen im Wohnmobil – der NSU fliegt auf

• 4. November 2011, Eisenach: Nach einem Banküberfall in Eisenach in Thüringen werden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach gefunden. Angeblich erschoss Mundlos zunächst seinen Komplizen, setzte dann das Wohnmobil in Brand und erschoss sich dann selbst.

• 7. November 2011, Erfurt: Das Landeskriminalamt teilt mit, dass die Dienstpistolen der Polizistin Michèle Kiesewetter und ihres Kollegen in dem ausgebrannten Wohnmobil entdeckt wurden.

• 8. November 2011, Jena: Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird festgenommen.

• 11. November 2011, Karlsruhe: Die Bundesanwaltschaft erklärt, dass sie Verbindungen zwischen dem Polizistenmord von Heilbronn und der Mordserie an Migranten sieht. In der Wohnung von Böhnhardt und Mundlos werden zahlreiche Hinweise auf die Taten gefunden. Der NSU ist aufgeflogen – elf Jahre nach dem ersten Mord. (W.B.)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos