Bürgerkrieg

Putin und Assad mit mörderischem Endspiel in Syrien

Der russische Präsident Wladimir Putin verhilft Syriens Diktator Assad zum Sieg. Und das mit dem Segen von US-Präsident Donald Trump.

Wegen der Syrischen Armee in der Provinz Deraa sind laut UN 270.000 Menschen auf der Flucht. Einige Dörfer ergeben sich, die syrische Regierung spricht von "Versöhnung".

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Moskau.  Spätestens jetzt müsste dem Letzten klar sein, was Russland wirklich unter Deeskalationszonen in Syrien verstanden hat. Es ging nie darum, die Bewohner einzelner Regionen besser zu schützen, einen politischen Übergangsprozess zu organisieren und die Kriegsflammen nach und nach auszutreten.

Stattdessen hatten die vor einem Jahr ausgerufenen Waffenstillstandsgebiete nur den Zweck, dem syrischen Diktator Baschar al-Assad und seinen russischen Verbündeten die Kriegstaktik im Kampf gegen die Aufständischen zu erleichtern. Im Nebel der Friedens­rhetorik wurden die Rebellengebiete nacheinander erledigt.

Die nächste humanitäre Apokalypse in Syrien

Im Frühjahr kapitulierte Ost-Ghouta nahe Damaskus, jetzt ist die Enklave in Südsyrien dran, bei deren Schutzvertrag 2017 auch die USA Pate standen. Erst als die Rebellen der Provinzen Daraa und Kuneitra jetzt in ihre bedingungslose Kapitulation einwilligten, wurde das horrende Bombardement gestoppt.

Zuvor hatten russische Luftwaffe, syrische Armee und iranische Milizen auch den Rest in Schutt und Asche gelegt – nach Aleppo und Ost-Ghouta die nächste humanitäre Apokalypse in diesem mehr als siebenjährigen Horror. Übrig ist jetzt nur noch die Nordprovinz Idlib mit ihren drei Millionen Menschen.

Bürgerkrieg: Das sind die wichtigsten Akteure im Syrienkonflikt

Militärisch ist der syrische Bürgerkrieg dann entschieden, ohne dass das Regime irgendwelche politischen Konzessionen an die Opposition machen musste. Die Russen fühlen sich durch die US-Regierung stillschweigend gedeckt. Denn das Weiße Haus hat sich offenbar vor dem amerikanisch-russischen Gipfel in Helsinki am 16. Juli entschlossen, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Assad militärisch endgültig das Feld zu überlassen.

Trump will den Iran in die Knie zwingen

Der amerikanische Präsident Donald Trump will mit seinen 4000 Soldaten raus aus dem syrischen Schlamassel, obwohl er bei seinem Verteidigungsministerium damit bisher auf Granit beißt. Den lange vom Westen unterstützten Rebellen im Süden ließ Trump gleich zu Beginn des russischen Bombardements mitteilen, sie könnten nicht mit einem amerikanischen Eingreifen rechnen.

Stattdessen wollen Trump und seine Vertrauten künftig alles nur noch dem Ziel unterordnen, den Iran in die Knie zu zwingen . Bei diesem Kraftakt weiß er seinen engsten nahöstlichen Gesinnungsgenossen, Israels Premier Benjamin Netanjahu, genauso hinter sich wie die superreichen Golfstaaten.

Washington will vor allem sicherstellen, dass Moskau und Damaskus den Einfluss von Teheran beschneiden und die Iraner zum Abzug ihrer auf 80.000 Mann geschätzten schiitischen Milizionäre drängen. Auch für den Kreml liegt das im eigenen Interesse. Putin möchte die Kämpfe möglichst bald zu Ende bringen und seine Machtposition im Nachkriegs­syrien zementieren.

Der Diktator braucht die iranischen Hilfstruppen

Völlig offen ist jedoch, ob der russische Präsident genug Druckmittel in der Hand hat, seinen Kriegskomplizen Assad auf diese neue Linie gegen Teheran festzulegen. Der Diktator braucht die iranischen Hilfstruppen, um seine ausgebrannte Armee zu stabilisieren. Und er wünscht die Iraner im Land als Gegengewicht zu den Russen.

Leidtragende in diesem strategisch-militärischen Kalkül aber sind wie immer die Menschen. Denn Assads Gewaltherrschaft bliebe weitgehend unangetastet. An Befriedung, Aussöhnung und Stabilität wäre auf Jahrzehnte nicht zu denken. Die Hälfte des syrischen Volkes ist auf der Flucht. Zudem könnten Hunderttausende, die friedlich gegen das Regime opponierten, nicht zurück in ein solches Syrien , was Trump jetzt Putin aushändigen will.