Washington

Nordkorea-Gespräche vor dem Aus?

US-Außenminister kehrt mit leeren Händen zurück. Pjöngjang nennt Besuch enttäuschend

Washington. Drei Wochen nach dem als historisch bezeichneten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Diktator Kim Jong-un in Singapur haben die Verhandlungen über den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms einen schweren Rückschlag erfahren. Nach zweitägigen Gesprächen in Pjöngjang reiste US-Außenminister Mike Pompeo mit einer optimistischen Bilanz nach Japan. „Es sind schwierige Themen. Aber ich denke, wir haben in allen Teilen unserer Gespräche Fortschritte gemacht“, erklärte der Trump-Vertraute nach seinen Beratungen mit Kim Yong-chol, einem der engsten Getreuen von Staatschef Kim, vor mitreisenden Journalisten. Auf Detailfragen – gibt es einen Zeitpunkt, bis zu dem Nordkorea die von Trump geforderte „komplette, nachprüfbare und umkehrbare Denuklearisierung“ erledigt haben muss, und was bekommt das Land im Gegenzug dafür – reagierte der frühere CIA-Chef ausweichend.

Kaum saß Pompeo im Flugzeug nach Tokio, wurde der Grund öffentlich. Nordkoreas Unterhändler bewerteten den Besuch des US-Chef-Diplomaten völlig anders – nämlich als „sehr enttäuschend“. Anstatt sich der Frage der Denuklearisierung schrittweise zu nähern, hätten die USA einseitig „gaunerhafte Forderungen“ erhoben und eine „extrem bedauerliche“ Haltung an den Tag gelegt, erklärte das nordkoreanische Außenministerium und drohte indirekt mit einem Scheitern der Verhandlungen. Die Wortwahl ist nach den von inszenierter Euphorie geprägten Aussagen von Trump nach Singapur – „Nordkorea stellt keine atomare Bedrohung mehr da“ – der bisher „klarste Beleg dafür, dass Kim Jong-un seine Atomwaffen nicht wirklich abgeben will“, interpretierte ein Experte der Washingtoner Denkfabrik Cato den Mini-Eklat.

Dass Pompeos dritte Visite in Pjöngjang in gereizter Atmosphäre stattfinden würde, zeigte sich bereits zu Beginn. „Es gibt Dinge, die ich richtigstellen muss“, so Unterhändler Yong-chol mit Blick auf detaillierte Berichte von US-Geheimdiensten. Sie hatten ergeben, dass Nordkorea trotz aller grundsätzlichen Bekenntnisse zur Denuklearisierung von Staatschef Kim Jong-un seine atomaren Kapazitäten heimlich ausbaut. Pompeo bestätigt den Befund, als er gegenüber Journalisten sagte: „Wir haben darüber geredet, was die Nordkoreaner fortgesetzt tun.“

Allerdings sprach Pompeo nicht darüber mit dem ersten Mann im Staate, der ihn diesmal gar nicht empfing. Stattdessen ließ Kim dem Außenminister einen Brief für Trump mitgeben. Inhalt: bisher öffentlich nicht bekannt. Allerdings dürfte der US-Präsident über die allmählich im Kippen begriffenen Gespräche hinreichend im Bilde sein. Pompeo erstattete umgehend per Telefon Rapport. Dabei waren auch Stabschef John Kelly und der Nordkorea-kritische Nationale Sicherheitsberater John Bolton anwesend.

Was bei den Herren hängengeblieben sein wird: Pompeo wurde teilweise vorgeführt. Mit Blick auf die starken Meinungsverschiedenheiten ätzte Chef-Verhandler Kim Yong-chol: „Beim Gedanken an diese Diskussionen haben Sie vielleicht nicht gut geschlafen.“ Pompeo wirkte kurz perplex und beteuerte trotzig: „Direktor Kim, ich habe ganz wunderbar geschlafen.“ Die Gespräche sollen am 12. Juli weitergehen.