Antisemitismus

Giffey will 170 Anti-Mobbing-Profis an Schulen schicken

Als oberstes Ziel bezeichnet Ministerin Giffey, dass alle Schüler am Schwimmunterricht teilnehmen. Sie pocht auf die Schulpflicht.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

Foto: Jens Schicke / imago/Jens Schicke

Berlin.  Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will Schülern nicht zugestehen, dem Schwimm- oder Sportunterricht aus religiösen Gründen fernzubleiben. „Beim Schwimm- und Sportunterricht darf es keine kulturellen oder religiösen Ausreden geben“, sagte die SPD-Politikerin der „Rheinischen Post“.

In Deutschland bestehe Schulpflicht - und der Schwimmunterricht gehöre dazu. „Das ist durchzusetzen, in letzter Konsequenz mit einem Bußgeld“, forderte die frühere Bürgermeisterin des multikulturell geprägten Bezirks Berlin-Neukölln. Wichtig sei, Gespräche mit den Eltern und ihren Kindern zu führen.

Als „Blödsinn“ bezeichnete Giffey Behauptungen, sie sei für das Verteilen sogenannter Burkinis an Schulen. Die AfD hatte der Familienministerin vorgeworfen, damit Sonderrechte für fundamentalistische Muslime zu unterstützen, die sich nicht den deutschen Regeln anpassen wollten.

Giffey will Teilnahme an Unterricht sicherstellen

Zuvor hatte Giffey gesagt, sie befürworte zwar keineswegs das Tragen von Burkinis im Schwimmunterricht – allerdings sollten sich Bundespolitiker nicht darüber erheben, wenn Schulen durch solch pragmatische Lösungen die Teilnahme muslimischer Schülerinnen am Schwimmunterricht sicherstellten. Oberstes Ziel sei, dass alle Kinder Schwimmen lernen – ungeachtet ihrer Herkunft und Religion.

Auslöser der Debatte war der im Juni bekanntgewordene Fall eines Gymnasiums in Herne in Nordrhein-Westfalen, das 20 Leih-Burkinis angeschafft hatte. Diese bedecken bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperteile.

170 Anti-Mobbing-Profis an ausgewählten Schulen

Mit einem neuen Aufklärungsprogramm will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey indes auch gegen Antisemitismus und Mobbing an deutschen Schulen vorgehen. Antisemitismus an Schulen sei ein großes Problem und für die Lehrkräfte allein nur schwer zu bewältigen, sagte die SPD-Politikerin.

Deshalb bräuchten Lehrer mehr Hilfe, etwa bei der Schulsozialarbeit und im Umgang mit Eltern. „Deswegen werden wir ab dem kommenden Schuljahr in einem ersten Schritt 170 Anti-Mobbing-Profis an ausgewählte Schulen in Deutschland schicken, die vom Bund finanziert werden“, kündigte Giffey an.

Vermehrt Judenhass in Schulen

In den vergangenen Monaten waren besonders in Berlin immer wieder Fälle von Judenhass und damit verbundenem Mobbing bekannt geworden. Schlagzeilen machten etwa der Angriff auf einen Kippaträger aus Israel und ein antisemitischer Vorfall an der renommierten John-F.-Kennedy-Schule .

„Religiöses Mobbing in Klassenzimmern und auf Schulhöfen müssen wir sehr ernst nehmen. Egal von wem es ausgeht“, sagte Giffey. In der Schule müssten Kinder ein friedliches Miteinander und Respekt lernen. Als Familienministerin ist Giffey auch für die Themen Senioren, Frauen und Jugend zuständig. (dpa)