Berlin

Minister planen Pflege-Offensive

Regierung will Fachkräfte etwa aus dem Kosovo oder Albanien anwerben

Berlin.  Pflegedienste, die Patienten abweisen müssen, weil sie zu wenig Personal haben. Staatliche Stellenprogramme für Pflegeheime, die ins Leere laufen, weil der Arbeitsmarkt blank gefegt ist. Über 35.000 offene Stellen bundesweit – und ein steigender Bedarf: Die Personalnot in der Pflege wächst von Tag zu Tag. Die Bundesregierung will nun die Kräfte von drei Ministerien bündeln und Lösungen für den Fachkräftemangel suchen.

Hinter der „Konzertierten Aktion Pflege“ stehen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Am Dienstag wollen sie den Startschuss geben – dann sollen in fünf Arbeitsgruppen Lösungen gesucht werden. „Wir geben uns maximal ein Jahr Zeit. Dann wollen wir konkrete und verbindliche Vereinbarungen mit allen haben, die in der Pflege Verantwortung tragen“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“.

Die erste Frage: Wie lassen sich junge Leute besser für Pflegeberufe gewinnen? Hier geht es um neue Kampagnen für Berufseinsteiger, attraktive Bedingungen für Seiteneinsteiger und Umschulungen, aber auch um akademische Karrieren in der Pflege. Giffey: „Es muss cool sein, Pflegefachkraft zu sein.“

Zweitens: Wie lassen sich die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass die Mitarbeiter nicht frustriert, erschöpft oder krank hinwerfen? Diese Expertengruppe soll Vorschläge machen, wie die Arbeitgeber in der Pflege besser auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter verpflichtet werden können.

Drittens: Kann die Digitalisierung die Pflege entlasten? Beispiel: Pflegekräfte könnten sich künftig leichter per Online-Sprechstunde mit Ärzten beraten. Auch die fallbezogene Dokumentation könnte deutlich einfacher werden.

Auch zur vierten Frage gibt es schon Lösungsideen: Was muss passieren, damit Fachkräfte aus dem Ausland leichter in Deutschland beschäftigt werden können? Spahn sagte, angesichts des Bedarfs müsse auch im Ausland gesucht werden. „Aber nur in Ländern mit sehr junger Bevölkerung, die nicht selbst dringend Pflegekräfte benötigen.“ Etwa im Kosovo und Albanien sei die Pflegeausbildung häufig besser, als man denke. Visa-Erteilungen und die Anerkennung von Berufsabschlüssen müssten aber schneller gehen. Heil schlug vor, dass interessierte Ausländer für ein halbes Jahr nach Deutschland kommen könnten: „Bedingung: Sie erhalten keinen Cent aus den Sozialsystemen, und wenn sie nach den sechs Monaten keine feste Stelle als Pflegekraft haben, müssen sie wieder gehen.“

Die fünfte Arbeitsgruppe befasst sich schließlich mit der heikelsten Frage: dem Lohn. Die Bundesregierung will sich für flächendeckende Tarifverträge einsetzen, im Gespräch ist auch eine Erhöhung des Pflegemindestlohns.