Kommentar

IGA - schaler Beigeschmack mit Schlussabrechnung

Die Planung der Internationalen Gartenausstellung in Marzahn zeigt ein typisches Berliner Leiden, sagt Andreas Abel.

Die Internationale Gartenausstellung 2017 begann am 13. April und endete am 15. Oktober 2017.

Die Internationale Gartenausstellung 2017 begann am 13. April und endete am 15. Oktober 2017.

Foto: Getty Images

Berlin. Die Internationale Gartenausstellung (IGA) im vergangenen Jahr war ein tolles Ereignis und hat den meisten Besuchern sehr gut gefallen. Schade, dass mit der Schlussabrechnung nun ein schaler Beigeschmack bleibt. Denn das Land Berlin muss für die Schau viel tiefer in die Tasche greifen als ursprünglich geplant. Statt 9,8 Millionen Euro beträgt der Zuschuss nun gut das Doppelte, 20,2 Millionen Euro.

Es lag alles am schlechten Wetter, bilanziert nun die Landesregierung. Damit habe niemand rechnen können. Wirklich nicht? Spätestens nach der buchstäblich ins Wasser gefallenen Bundesgartenschau 2015 im brandenburgischen Havelland hätte die Landesregierung hellhörig werden und ihre Erwartungen zurückschrauben müssen. Mit 2,4 Millionen Besuchern zu planen war ohnehin sehr ehrgeizig. Einen solchen Ansturm zu erzielen wäre selbst bei durchgängig gutem Wetter kein leichtes Spiel gewesen. Und es ist so ungewöhnlich nicht, dass im Berliner Raum ein Sommer auch mal kühl und nass geraten kann. Zudem fiel die Werbung für die Gartenschau, insbesondere in der Stadt selbst, eher spärlich aus. Angesichts der Tatsache, dass die IGA in Marzahn, am Rande Berlins, stattfand, hätte mehr getrommelt werden müssen. Aber auch die Eintrittspreise, vor allem für Familien, waren kritikwürdig. Als der Eintritt am letzten Tag auf zehn Euro gesenkt wurde, strömten die Massen in die Gärten der Welt.

Es passiert leider häufig in Berlin: Projekte werden geplant, die Kosten optimistisch niedrig angesetzt. Später holt die Realität die Planer ein. So aber wird die Stadtgesellschaft nicht mitgenommen. Bei vielen Berlinern entsteht dann entweder der Verdacht, sie sollen mit schöngerechneten Kostenprognosen beruhigt werden, oder der Eindruck, die Landesregierung kann es einfach nicht. Das ist – vermeidbar – falsche Politik.

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