Annäherung

Was bringt Pompeos Charme-Offensive beim Nordkorea-General?

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Dirk Hautkapp
Der nordkoreanische General Kim Yong-chol mit US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag in New York.

Der nordkoreanische General Kim Yong-chol mit US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag in New York.

Foto: MIKE SEGAR / REUTERS

Mike Pompeo hat mit einem Vertrauten Kim Jong-uns über das mögliche Gipfeltreffen gesprochen. Auch Moskau nähert sich Nordkorea an.

Washington.  Edles Geschirr, darauf später Steaks mit Mais und Käse, volle Weingläser, gelöste Mienen, dahinter die in der Abendsonne versinkende Skyline von Manhattan: Die Fotos, die US-Außenminister Mike Pompeo am Mittwochabend vom Dinner mit Nordkoreas Topvertreter Kim Yong-chol veröffentlichte, sollten unbedingt den Eindruck einer konstruktiven, fast gelösten Gesprächsatmosphäre verströmen.

Rund zwei Wochen vor dem – trotz Absage – weiterhin angestrebten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur versuchte Amerikas Chefdiplomat auszuloten, wie ernst es dem kommunistischen Regime mit der angekündigten Aufgabe seines Atomprogramms ist.

Bevor der Ex-CIA-Chef seine Gespräche mit der Nummer zwei des Zentralkomitees der nordkoreanischen Arbeiterpartei und dem engem Vertrauten von Kim Jong-un fortsetzte, folgte eine neue Charme-Offensive: Der „eventuelle“ Gipfel zwischen Trump und Kim eröffne Nordkorea eine Möglichkeit, „Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand zu erlangen“, schrieb der Republikaner in den sozialen Netzwerken. Das nordkoreanische Volk hätte dadurch eine „hellere Zukunft“, die Welt könne „friedlicher“ sein.

Nordkorea soll offenbar detaillierten Abrüstungsplan vorlegen

Die Prosa auf Twitter kontrastiert, was zuvor aus Pompeos Stäben durchsickerte. Danach müsse Nordkorea kurzfristig einen detaillierten Plan vorlegen, der die geforderte Denuklearisierung nachvollziehbar macht. Und zwar „vollständig, überprüfbar und unwiderruflich“. Von dieser Vorleistung werde abhängig gemacht, ob das von Trump einseitig abgeblasene Treffen mit Kim Jong-un doch noch wie vorgesehen am 12. Juni in Singapur stattfinden könne.

Ob sich Kim Yong-chol so tief in die Karten gucken lassen würde, wurde vorher von Experten bezweifelt. Sie erinnerten daran, dass der Erzkommunist, seit 18 Jahren der ranghöchste Vertreter seines Landes auf US-Boden, ein Profi der Verschleierung ist. Kim Yong-chol war lange Geheimdienstchef seines Landes. Der Vier-Sterne-General löst bis heute in Südkorea Wutanfälle aus. Nach Angaben der Regierung in Seoul war er aktiv an der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs durch einen Torpedo beteiligt. Dabei kamen vor acht Jahren 46 Menschen ums Leben.

Weil Kim Yong-chol auch für Mordanschläge auf südkoreanische Überläufer verantwortlich gemacht wird, belegten die USA ihn 2010 mit Sanktionen. Die US-Regierung sieht in dem Funktionär, der bereits für Kims Vater gearbeitet hatte, den zurzeit verlässlichsten Gesprächspartner. In Washington wurde erwartet, dass Kim Yong-chol deutlich macht, dass Pjöngjang keine radikale atomare Abrüstung betreiben will und vorab ein umfassendes Sicherheitsversprechen auf Fortbestand der Regierung Kims verlangt.

Lawrow lädt Kim Jong-un nach Moskau ein

Dahinter steht die von Trumps Sicherheitsberater John Bolton lancierte Äußerung, wonach Nordkorea umfassend zu parieren habe. Andernfalls drohe dem Regime womöglich das Schicksal des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Der hatte 2003 sein Kernwaffenprogramm aufgegeben und war später nach einer militärischen Intervention der USA getötet worden.

An Gaddafis Ende dürfte auch der russische Außenminister Sergej Lawrow bei seiner kurzfristig anberaumten Überraschungsvisite in Nordkorea erinnert haben. Moskaus Chefdiplomat überbrachte Diktator Kim Jong-un in Pjöngjang eine persönliche Einladung von Staatspräsident Wladimir Putin. „Kommen Sie nach Russland. Wir würden uns sehr freuen, Sie zu begrüßen“, sagte Lawrow. Sein Abstecher nach Fernost wird in Washington als Fingerzeig verstanden: „Moskau inszeniert sich bei der Lösung des Konflikts um Nordkorea als Gegengewicht zu den USA und will die Spielregeln mitbestimmen“, erklärte ein Analyst der Denkfabrik Cato.

Kim Jong-un nahm den Ball gerne auf. „Ich schätze es sehr, dass Putin Widerstand leistet gegen die Hegemonie der USA“, sagte der nordkoreanische Machthaber zu Lawrow. Dessen ungeachtet macht Trump weiter in Optimismus. Für Freitag erwartet der Präsident Besuch aus Nordkorea im Weißen Haus. Genauer: einen persönlichen Brief von Kim Jong-un.

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