Reformationstag

Juden und Katholiken lehnen Pläne für neuen Feiertag ab

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500 Jahre Reformation - Das muss man jetzt wissen

500 Jahre Reformation - Das muss man jetzt wissen

Reformation startet: 1517 schlug die Geburtsstunde des Protestantismus. Damals veröffentlichte Martin Luther seine berühmten 95 Thesen.

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Mehrere Bundesländer wollen den Reformationstag zum offiziellen Feiertag machen. Dagegen erhebt sich nun jedoch starker Widerstand.

Hannover/Berlin.  Bei einer Anhörung zum geplanten neuen Feiertag in Niedersachsen haben die Vertreter der jüdischen Gemeinden deutliche Kritik am dafür vorgeschlagenen Reformationstag, dem 31. Oktober, geübt.

Katarina Seidler vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden wies auf eine antisemitische Schrift des Reformators Martin Luther (1483-1546) hin, in der dieser die Vertreibung der Juden gefordert habe. Zugleich kritisierte sie, die jüdischen Gemeinden seien bei der Diskussion über den Feiertag übergangen worden. „Die Entfremdung von Bürgern und politischer Elite zeigt sich an diesem Tag sehr deutlich.“

Ingrid Wettberg von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover betonte: „Dieser Tag wird immer untrennbar mit Martin Luther verbunden sein.“ Die Nationalsozialisten hätten sich immer auf Luther als Kronzeugen ihres Antisemitismus berufen.

„Reformation ist kein Grund zum Feiern“

Der jüdische Verbandsvorsitzende Michael Fürst sagte: „Dieser Tag ist der Falscheste, den Sie wählen können.“ Es gebe keinen Grund, die Abstimmung in dieser Sache zu beschleunigen. Fürst plädierte für den Buß- und Bettag als Feiertag, aber auch für den Tag der Weißen Rose am 30. Januar, der an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert.

Auch die katholische Kirche wandte sich gegen den Reformationstag. Prälat Felix Bernard vom Katholischen Büro Niedersachsen sprach sich wie andere Vertreter der katholischen Kirche für den Buß- und Bettag als neuen Feiertag aus. „Der 31. Oktober erinnert immer noch primär an die Kirchenspaltung“, betonte er. „Das ist für uns kein Grund zum Feiern.“

Für die Evangelisch-reformierte Kirche warb Kirchenpräsident Martin Heimbucher dagegen für den Reformationstag. „Reformation tut Not in unserer Gesellschaft, weil alle Institutionen, die den Menschen dienen, diesen Impuls zur fortwährenden Erneuerung und Verbesserung brauchen.“

Ähnliche Pläne in anderen Bundesländern

Die Reformation stehe für die Freiheit des Wortes und des Gewissens. Dies sei alles noch nicht so ausformuliert gewesen wie heute. „Aber die Reformatoren haben sich die Freiheit des Wortes genommen in einer Situation, in der dies noch nicht selbstverständlich war.“ Die reformierte Kirchen beruft sich auf die Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin.

Ähnliche Pläne wie in Niedersachsen für eine Aufwertung des Reformationstags gibt es auch in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Auch in Berlin gibt es Überlegungen für einen zusätzlichen Feiertag im Jahr. Der regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte allerdings erklärt, er favorisiere einen Tag, „der eine politische Relevanz in unserer Geschichte hat“. Möglich sei der 17. Juni, also der Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, der 8. Mai als Tag der Befreiung von der Nazi-Diktatur oder der 27. Januar als Holocaust-Gedenktag. (epd/W.B.)

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