Lüttich

Vier Tote bei mutmaßlicher Terror-Attacke

Ein Mann erschießt in Lüttich völlig unvermittelt drei Menschen. Spezialeinheit der Polizei tötet ihn

Lüttich.  Ein mutmaßlicher Terrorist hat in Belgien drei Menschen getötet. Nach offiziellen Angaben erschoss der Verdächtige am Dienstagvormittag in Lüttich zwei Polizistinnen und einen Zivilisten. Anschließend nahm er eine Frau als Geisel, bevor er selbst von Sicherheitskräften getötet wurde. Die Ermittler vermuten einen terroristischen Hintergrund, wie die zuständige Staatsanwaltschaft mitteilte. Angaben zu Täter und Motiv machten die Behörden zunächst nicht.

Nach Informationen des Senders RTBF handelte es sich um einen Mann aus Rochefort im Süden des Landes, der wegen kleinerer Vergehen wie Diebstahl und Drogenhandel im Gefängnis saß. Am Montag habe er Freigang bekommen, hätte aber nach einigen Stunden wieder zurückkehren müssen. Dies sei nicht geschehen, hieß es. Er sei gewalttätig, aber nicht für seine Radikalität bekannt gewesen. Einige Medien berichteten, der Angreifer habe „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Dies bestätigten die Behörden zunächst nicht. Der mutmaßliche Terrorist hatte es nach Angaben von Ermittlern vielmehr darauf abgesehen, dem belgischen Staat zu schaden. Der Mann habe keinen Amoklauf begehen wollen, „sondern Polizisten treffen wollen, also die Institution, den belgischen Staat“, sagte der Chef der Lütticher Polizei, Christian Beaupère.

Die dramatischen Ereignisse begannen um 10.30 Uhr, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Demnach griff der mit einem Messer bewaffnete Mann zwei Polizistinnen in der Innenstadt von hinten an und stach auf sie ein. Schließlich habe er ihnen ihre Dienstwaffen entwunden und sie erschossen. Anschließend soll der Täter einen 22-jährigen Mann in einem Auto erschossen haben, bevor er in eine nahe gelegene Schule rannte und eine Mitarbeiterin als Geisel nahm. Dort griff eine Spezialeinheit ein und erschoss den Verdächtigen. Dieser habe zuvor noch das Feuer eröffnet. Mehrere weitere Polizisten seien verletzt worden. Die Schüler des Lütticher Gymnasiums Léonie de Waha seien in Sicherheit, betonte der Bürgermeister von Lüttich, Willy Demeyer. Das Gebäude wurde geräumt, die Kinder und Jugendlichen in mehrere andere Schulen gebracht.

In der Vergangenheit war Belgien immer wieder Ziel

Belgien war bereits das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten davon töteten islamistische Extremisten in Brüssel 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Die Terrorwarnstufe wurde erst vor einiger Zeit auf die zweitniedrigste von vier Stufen herabgesetzt. Daran soll sich vorerst nichts ändern, wie das zuständige Krisenzentrum Dienstag mitteilte.