Schwangerschaft

Bericht: Irland stimmt für Ende des Abtreibungsverbots

Die Iren schaffen offenbar das strikte Abtreibungsverbot des Landes ab. Die Wahlbeteiligung bei dem Referendum war erstaunlich hoch.

So ist Abtreibung in Deutschland geregelt
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Dublin.  Beim Abtreibungsreferendum in Irland zeichnet sich eine große Mehrheit für eine Lockerung des strikten Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen ab. Einer Nachwahlbefragung im Auftrag der „Irish Times“ zufolge stimmten am Freitag rund 68 Prozent der Wähler für die Streichung eines Verfassungsartikels, der Schwangerschaftsabbrüche faktisch unmöglich gemacht hatte.

32 Prozent hätten sich demnach für die Beibehaltung des strikten Verbots ausgesprochen. Die komplette Auszählung findet am Samstag statt.

Außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung

Der Befragung zufolge stimmten vor allem junge Wähler und Frauen mit überwältigender Mehrheit für die Lockerung des Abtreibungsverbots. Bei den 18 bis 24-Jährigen lag die Zustimmung zu der Verfassungsänderung demnach bei knapp 90 Prozent. Die Wahlbeteiligung war Berichten zufolge mit teilweise 70 Prozent außergewöhnlich hoch. Rund 3,2 Millionen Iren waren dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Iren stimmen für Ende des strikten Abtreibungsverbots
Iren stimmen für Ende des strikten Abtreibungsverbots

Die Wählerbefragung fand an 160 Standorten statt und es wurden 4000 Wähler nach ihrer Entscheidung befragt. Durchgeführt wurde die Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos.

Irlands Regierung setzte sich für Streichung des Abtreibungsverbots ein

Die Regierung von Premierminister Leo Varadkar rief die etwa 3,2 Millionen Wahlberechtigten dazu auf, für die Streichung des achten Verfassungszusatz zu stimmen und damit den Weg für eine liberalere Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch freizumachen. „Es ist ein großes Ja von mir“, schrieb er auf Twitter nach der Stimmabgabe.

Im katholisch geprägten Irland gilt eines der strengsten Abtreibungsverbote in der Europäischen Union. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung ist in Irland ein Schwangerschaftsabbruch untersagt.

Kritiker: Abtreibung in Irland faktisch unmöglich

Per Verfassungszusatz von 1983 sind ungeborene Kinder genauso in ihrem Recht auf Leben geschützt wie ihre Mütter. Das macht Kritikern zufolge Abtreibungen in dem Land faktisch unmöglich. Durch das Referendum soll dem Parlament die Möglichkeit gegeben werden, Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche zu legalisieren. In Meinungsumfragen lagen die Befürworter einer Gesetzeslockerung zuletzt knapp vorne. Zehntausende im Ausland lebender Iren sollen Berichten zufolge für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.

Der UN-Menschenrechtsausschuss hatte das Abtreibungsverbot 2016 als Verstoß gegen internationale Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und die irische Regierung aufgefordert, es zu überarbeiten. Lesen Sie hier, wie die Abtreibung in Deutschland und anderen europäischen Ländern geregelt ist. (ac/dpa)

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