Anti-Antisemitismus

„Schalom“: So zeigen britische Muslime Solidarität mit Juden

In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige verurteilen britische Muslime Antisemitismus. Das Inserat hat sich rasant im Internet verbreitet.

Hier leben Juden und Muslime friedlich zusammen: Eine Muslima steht in einem jüdischen Restaurant in Tunesien. (Symbolbild)

Hier leben Juden und Muslime friedlich zusammen: Eine Muslima steht in einem jüdischen Restaurant in Tunesien. (Symbolbild)

Foto: Ahmed Jadallah / REUTERS

London.  Der Kampf gegen Antisemitismus war einer Gruppe von Muslimen eine komplette Zeitungsseite wert. Das Inserat in Großbritannien rief zur Solidarität mit Juden auf – und warnte vor Antisemitismus. Es erschien vergangene Woche in der konservativen britischen Tageszeitung „Telegraph“ und wurde seitdem mehr als tausend Mal im Internet geteilt. Zu den Unterzeichnern gehört unter anderem die Vereinigung Britischer Muslime.

Oben steht in großen, schwarzen Buchstaben: „Wir Muslime richten ein Wort an die Juden. Schalom.“ Schalom, so heißt die hebräische Begrüßung – das Wort bedeutet aber auch Frieden.

„Wir müssen stets wachsam sein“

„Wir verstehen, dass viele in unserem Land mit den Palästinensern mitfühlen und mit ihrem Recht auf einen souveränen Staat“, heißt es in der Anzeige weiter. „Wir müssen aber stets wachsam sein gegen jene, die internationale Angelegenheiten zynisch ausnutzen, um Juden zu diffamieren oder antisemitische Rhetorik zu fördern.“

Der Abgeordnetenausschuss der britischen Juden reagierte umgehend auf die Anzeige. Noch in der Nacht teilte das Gremium die Anzeige auf Twitter und bedankte sich. „Unglaubliche Solidarität – eine ganzseitige Anzeige von muslimischen Schwestern und Brüdern im heutigen Telegraph“, schrieb der Ausschuss dazu. „Gemeinsam werden wir die Übel des Antisemitismus und des anti-muslimischen Hasses besiegen.“

In britischen Medien wird derzeit intensiv über Antisemitismus und anti-muslimischen Hass diskutiert. Zwei der muslimischen Organisationen, die die Anzeige unterzeichnet haben, hatten zuvor vor einem in London geplanten Protestmarsch gewarnt. Medien berichteten, dass bei der am 10. Juni geplanten Demonstration auch Anhänger der libanesischen Terrorgruppe Hisbollah anwesend sein könnten.

Debatte auch in Deutschland aktuell

In Deutschland wird ebenfalls verstärkt über Antisemitismus diskutiert, nachdem ein junger Israeli in Berlin antisemitisch beschimpft und angegriffen wurde. Der Täter hatte mit einem Gürtel auf ihn eingeschlagen.

Juden in Deutschland: Die Verunsicherung ist groß
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Hochrangige Politiker bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigten sich betroffen. In mehreren deutschen Städten gab es Aktionen gegen Antisemitismus, an denen sich auch Muslime beteiligten. Als Zeichen der Solidarität trugen etliche Demonstranten eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. (sth)

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