Asylbewerber

Missstände im Asylverfahren – Bamf schult Dolmetscher nach

Dolmetscher sind in Asylverfahren von großer Bedeutung. Viele sind nicht richtig ausgebildet. Jetzt legt das Bamf neue Schulungen auf.

Darum geht es beim Verdacht auf Korruption im Bundesamt für Migration

Korruptionsskandal: Eine leitende Mitarbeiterin des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge soll unrechtmäßig Asylanträge bewilligt haben. Laut Staatsanwaltschaft geht es um mehr als 1200 Fälle.

Darum geht es beim Verdacht auf Korruption im Bundesamt für Migration

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Berlin.  Das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (Bamf) will die Qualität der Sprachübersetzungen in Asylverfahren erhöhen. Dazu hat die Behörde nach Informationen dieser Redaktion unter anderem Schulungen der eingesetzten Dolmetscher auf den Weg gebracht.

Hintergrund für die Maßnahme ist Kritik an mangelnder fachlicher Ausbildung vieler Übersetzer, die eine erhebliche Rolle bei der Entscheidung von Asylanträgen spielen. Im April hatte das Bundesamt die Zusammenarbeit mit mehr als 2000 Dolmetschern beendet, weil sie aus Sicht der Behörde nicht neutral oder vertrauenswürdig erschienen, unpünktlich waren oder Standards nicht einhielten. Zuletzt war bekannt geworden, dass ein vom Bamf eingesetzter Dolmetscher in die Affäre um mutmaßlich manipulierte Asylentscheidungen in Bremen verwickelt ist.

Kritik vom Dolmetscher-Verband

Derzeit arbeiten rund 5800 Dolmetschende im Auftrag des Bundesamtes. Nur rund 620 sind vor Gericht vereidigt. Mehrere Übersetzer berichteten dieser Redaktion von mangelnder Einarbeitung, schlechter Bezahlung und Stresssituationen. Sie gaben an, nie eine Ausbildung in diesem Bereich gemacht zu haben.

Bamf-Präsidentin verspricht umfassende Aufklärung

Insgesamt sollen nun rund 18.000 Asylverfahren, die ab dem Jahr 2000 in Bremen eingereicht wurden, geprüft werden.
Bamf-Präsidentin verspricht umfassende Aufklärung

„Ich bin einfach zum Amt gegangen und habe gesagt, ich möchte hier arbeiten“, berichtete ein junger Mann aus Berlin. Einen Nachweis über seine Kenntnisse habe er nie leisten müssen.

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) sieht die geringe Zahl professioneller Sprachmittler mit Sorge. Den Laien fehlten in der Regel die in einer fundierten Ausbildung vermittelten Kompetenzen, wie etwa Dolmetschtechniken, soziale Kompetenz und professionelle Distanz, sagte Monika Eingrieber, Projektleiterin „Dolmetschen im Asylwesen“, dieser Redaktion.

In Zusammenarbeit mit dem BDÜ hat das Bamf nun Schulungen für Dolmetscher gestartet. Das teilte ein Sprecher der Behörde mit. Das angebotene Seminar dauert fünf Tage. „Während dieser Zeit werden den SprachmittlerInnen spezifisch auf das Asylverfahren bezogen Kenntnisse zu Berufsethik, Dolmetschtechniken und -strategien und Techniken zur Abgrenzung vermittelt und mit Rollenspielen eingeübt“, erklärte das Bamf auf Nachfrage.

Das Seminar kostet für die Dolmetschenden 200 Euro Unkostenbeitrag. Die Teilnahme ist freiwillig. Laut BDÜ fanden bisher neun Schulungen mit durchschnittlich jeweils zwölf Teilnehmern statt. (fmg)