Präsident

Ilkay Gündogan weist Kritik an Foto mit Erdogan zurück

Der türkische Staatschef Erdogan ist in London zu Besuch. Dort traf er auch deutsche Nationalkicker – die ein Geschenk für ihn hatten.

Die Fußballspieler Ilkay Gundogan (l.), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r.) posieren für ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in London.

Die Fußballspieler Ilkay Gundogan (l.), Mesut Özil (2.v.l.) und Cenk Tosun (r.) posieren für ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in London.

Foto: Getty Images / Anadolu Agency/Getty Images

London.  Die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben kurz vor der WM-Nominierung mit umstrittener Wahlkampfhilfe für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für Aufsehen gesorgt.

Die Profis ließen sich am Sonntag in London gemeinsam mit dem Politiker ablichten und überreichten ihm Trikots ihrer Clubs Manchester City und FC Arsenal. Diese wurden von Erdogans Partei auf Twitter veröffentlicht. Auf Gündogans Trikot mit der Nummer acht stand: „Mit großem Respekt für meinen Präsidenten.“ Özil und Gündogan sind in Deutschland als Nachfahren türkischer Einwanderer aufgewachsen.

Özil sendete zudem einen Tweet, der ihn offenbar bei dem Treffen mit Gündogan und dem ebenfalls türkisch-stämmigen Cenk Tosun vom FC Everton zeigt und schrieb auf englisch „in guter Gesellschaft heute Abend“, versehen mit einem zwinkernden Gesicht sowie der deutschen und türkischen Fahne.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte den Auftritt. „Wer kurz vor der Wahl in der Türkei so prominent mit Präsident Erdogan posiert, muss wissen, dass er einen der weltweit schlimmsten Feinde der Pressefreiheit unterstützt“, sagte Geschäftsführer Christian Mihr. Profisportler sollten ihre Bekanntheit lieber dazu nutzen, um sich für die inhaftierten Journalisten in der Türkei einzusetzen.

Die Medien in der Türkei stehen seit langem unter Druck. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation P24 sitzen in dem Land mehr als 150 Journalisten im Gefängnis. Seit dem gescheiterten Putsch im Jahr 2016, nach dem der Ausnahmezustand verhängt wurden, wurden Dutzende Medienunternehmen geschlossen.

Kritik an Özil und Gündogan auch vom DFB

Auch DFB-Chef Reinhard Grindel reagierte mit deutlicher Kritik. „Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden“, twitterte er. Teammanager Oliver Bierhoff äußerte Unverständnis und kündigte eine Aussprache mit dem Duo an.

Gündogan wies die Kritik am Montagabend zurück. „Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen“, teilte Gündogan mit. „Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst“ erklärte Gündogan weiter. „Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen. „Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet“, betonte Gündogan. „Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden.“

Auftritt mit Erdogan auch sportpolitisch pikant

Erdogan befindet sich derzeit auf einem dreitägigen Staatsbesuch in Großbritannien. Er wird am Dienstag von Queen Elizabeth II und der Premierministerin Theresa May empfangen. In der Türkei lässt er am 24. Juni vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abhalten. In Deutschland wird vor den Wahlen nur ein türkischer Politiker auftreten: Außenminister Mevlüt Cavusoglu kommt zur Gedenkfeier für die Opfer des Brandanschlags in Solingen.

Sportpolitisch pikant ist der Auftritt, da die Türkei einziger Konkurrent des Deutschen Fußball-Bundes um die Ausrichtung der EM 2024 ist, die im September von der UEFA vergeben wird. Beide Profis sind fixe Kandidaten für den deutschen WM-Kader, den Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag (12.30 Uhr) in Dortmund verkündet. (dpa/sid)