Bangkok

Familie sprengt sich in Kirchen in die Luft

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Willi Germund

Bei gleichzeitigen Anschlägen auf der Insel Java sterben 13 Menschen, Dutzende werden verletzt

Bangkok. Drei Kirchen, drei Anschläge: Die indonesische Großstadt Surabaya auf der Insel Java ist am Sonntag innerhalb von kurzer Zeit von mehreren Sprengstoff-Attentaten erschüttert worden. Nach Polizeiangaben wurden dabei 13 Menschen getötet und mindestens 40 verletzt.

Die indonesischen Behörden schreiben die Taten der Terrorgruppe Jemaah Ansharut Daulah (JAD) zu, dem lokalen Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Bei den Tätern handelt es sich laut Indonesiens Polizeichef Tito Karnavian um eine sechsköpfige Familie, die aus Syrien zurückgekehrt war. Die Mutter sprengte sich gegen 7.30 Uhr am Sonntagmorgen mitsamt ihren zwölf und neun Jahre alten Töchtern in einer Kirche in die Luft. Sie diskutierte noch mit Sicherheitskräften, bevor ihr Sprengsatz zündete. Die beiden Söhne der Familie, 18 und 16 Jahre alt, fuhren fast gleichzeitig auf Mopeds zum Eingang einer anderen Kirche und ließen dort ihre Sprengstoffwesten detonieren. An einem dritten Anschlagsort rammte der Vater der Familie mit dem Auto ein Kirchengebäude, bevor auch dort eine Bombe explodierte.

In Indonesien, der mit 250 Millionen Einwohnern bevölkerungsstärksten muslimischen Nation der Welt, verstärkt die Anschlagsserie Befürchtungen vor einer neuen Offensive der Fanatiker. Bereits vor einigen Tagen hatten Angehörige der Terrorgruppe JAD 36 Stunden lang drei Zellenblocks eines Hochsicherheitsgefängnis in der Hauptstadt Jakarta in ihre Gewalt gebracht. Sie töteten fünf Polizisten. Ein Gefangener kam ums Leben. In dem Gefängnis ist seit einigen Monaten Aman Abdurrahman untergebracht. Er gilt als Rädelsführer des ersten IS-Anschlags auf indonesischem Boden im Jahr 2016. Wawan Purwanto, der Sprecher des indonesischen Geheimdiensts, zeigte sich gegenüber lokalen Medien überzeugt, dass der Gefängnisaufstand und die Anschläge auf die Kirchen in Surabaya zusammenhingen.

Aus Indonesien, dessen Einwohner zu 90 Prozent muslimisch sind, stammen knapp 1000 Mitglieder des IS im Nahen Osten. Singapurs Innenminister Kasiviswanathan Shanmugam hatte erst im März in einem Gespräch mit dieser Zeitung vor der Gefahr gewarnt, die von Heimkehrern aus dem Nahen Osten ausgehe: „Sie sind erfahren und hoch motiviert und wollen zu Hause ihren Kampf fortsetzen.“

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