Konflikt

Streit zwischen Israel und dem Iran heizt sich weiter auf

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Israelische Soldaten nehmen mit einem Panzerfahrzeug an einem Militärmanöver in den von Israel kontrollierten Golanhöhen teil.

Israelische Soldaten nehmen mit einem Panzerfahrzeug an einem Militärmanöver in den von Israel kontrollierten Golanhöhen teil.

Foto: Gil Eliyahu / dpa

Das erste Mal hat der Iran nach Militärangaben israelische Ziele auf den Golanhöhen angegriffen. Israels Luftwaffe schlug hart zürck.

Tel Aviv.  Israels Luftwaffe hat auf einen iranischen Raketenangriff aus Syrien mit massiven Attacken auf iranische Ziele in dem Bürgerkriegsland reagiert. Dabei wurden nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman fast alle dortigen Infrastrukturen des Irans getroffen. Dagegen sei keine der 20 von iranischen Streitkräften auf die Golanhöhen abgefeuerten Raketen auf von Israel kontrolliertem Gebiet eingeschlagen, sagte Lieberman am Donnerstag auf einer Konferenz in Herzlija bei Tel Aviv.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bei dem Angriff in Syrien seien 23 Menschen getötet worden. Russland rief Israel und den Iran zur Zurückhaltung und Deeskalation auf.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden vier der Geschosse von der israelischen Raketenabwehr abgefangen. Es habe keine israelischen Opfer gegeben. Die anderen Raketen schlugen nach Aussage von Lieberman noch auf syrischem Staatsgebiet ein.

Israelisches Sicherheitskabinett kommt zusammen

Die Angriffe erfolgten einen Tag nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Teheran ist neben Russland und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah wichtigster Verbündeter des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad.

Israel wirft Teheran vor, seine Präsenz im Bürgerkriegsland Syrien ausgebaut und viele Waffen dorthin geliefert zu haben. Israel wird für Luftangriffe in Syrien verantwortlich gemacht, bei der auch Iraner getötet wurden. Teheran drohte mit Vergeltung.

„Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein“, sagte Lieberman. Er sagte, es handele sich um einen punktuellen Konflikt Israels mit den iranischen Al-Kuds-Brigaden, der Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden. „Alle wollen den Konflikt genau auf dieses Karree beschränken.“ Das israelische Sicherheitskabinett wollte nach Medienberichten am Donnerstagabend zusammenkommen.

Iran feuerte 20 Raketen auf Golanhöhen

Iranische Streitkräfte hatten in der Nacht zum Donnerstag erstmals von Syrien aus israelische Militärposten angegriffen, wie der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus mitteilte. Die Al-Kuds-Brigaden hätten 20 Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert. „Wir sehen diese iranische Attacke auf Israel als sehr schwerwiegend an.“ Israels Luftwaffe habe daraufhin mehr als 50 iranische Militärziele in Syrien angegriffen, teilte die Armee mit.

Die israelischen Luftangriffe in Syrien gehörten zu den „größten, die Israels Armee gegen iranische Ziele unternommen hat“. Man habe dem iranischen Militär schweren Schaden zugefügt. Es seien Einrichtungen des Geheimdienstes, der Logistik, Militärposten, Lagerräume und Spähposten getroffen worden. Man habe auch das Gefährt zerstört, von dem aus die Raketen auf die Golanhöhen abgefeuert wurden. Es habe sich in 30 bis 40 Kilometern Entfernung von Damaskus befunden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte trafen Israels Raketen zahlreiche Ziele im Zentrum und Süden Syriens. Angegriffen worden seien Stellungen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und anderer regierungstreuer Milizen. Diese werden vom Iran unterstützt.

Den Menschenrechtlern zufolge wurden zudem Militärposten bombardiert, an denen iranische Kämpfer sowie Soldaten der syrischen Armee stationiert waren. Es habe große Schäden gegeben. Die syrische Luftabwehr habe israelische Flugzeuge beschossen, aber nicht getroffen. „Wir haben die Syrer gewarnt, sich nicht einzumischen, aber sie haben es trotzdem getan.“ Conricus warnte: „Weitere Versuche, Israel zu attackieren, werden eine schwerwiegende Reaktion zur Folge haben.“ Man habe Russland vor dem Angriff in Syrien informiert.

Russland ruft zur Zurückhaltung auf

Russland rief beide Parteien zur Zurückhaltung auf. „Das ist alles sehr beunruhigend“, sagte der russische Vizeaußenminister Michail Bogdanow in Kasan der Agentur Tass zufolge. „Wir haben Kontakt mit beiden Seiten.“ Russland bemühe sich seit langem um eine Entspannung der Lage, sagte er.

Israel habe in der Nacht etwa 70 Raketen auf syrisches Gebiet abgefeuert, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien 28 F15- und F16-Kampfjets im Einsatz gewesen. Etwa die Hälfte der Geschosse habe das syrische Militär abgefangen, hieß es weiter.

Mit Hinweis auf Warnungen vor einem iranischen Angriff von Syrien aus hatte Israels Armee schon am Dienstag Reservisten mobilisiert. Die Armee hatte zudem Ortschaften auf den Golanhöhen angewiesen, die Luftschutzbunker zu öffnen. Israel hatte die Golanhöhen 1967 erobert und später annektiert. Die Armee wies die Einwohner der Golanhöhen am Donnerstag an, ihrer normalen Routine nachzugehen. Schulen und Kindergärten blieben geöffnet.

Auch in der Nacht zuvor war ein mutmaßlicher israelischer Raketenangriff auf Ziele in Syrien gemeldet worden. Dabei kamen nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 15 Menschen ums Leben. Der Angriff habe einem Waffenlager der iranischen Revolutionsgarden gegolten.

USA sehen sich in Vorgehen bestätigt

US-Präsident Donald Trump hatte die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran auch mit der aggressiven Außenpolitik des Landes begründet und ausdrücklich die Destabilisierung durch den Iran in Israels Nachbarschaft kritisiert. Die USA sehen sich nun nach dem Raketenangriff in ihrem Vorgehen bestätigt.

Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders wertete den Beschuss als „zusätzlichen Beweis, dass dem iranischen Regime nicht zu trauen ist“. Dies zeige, dass Präsident Donald Trump mit seinem Rückzug aus dem internationalen Atomabkommen die richtige Entscheidung getroffen habe. (dpa)

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