Religion

Kreuz-Pflicht in Bayerns Behörden weiter in der Kritik

Die Pflicht, in bayerischen Behörden Kreuze aufzuhängen, hat für viel Kritik gesorgt. Religion dürfe nicht instrumentalisiert werden.

Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf.

Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Berlin/Essen.  Die Kritik an der neu eingeführten Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden reißt nicht ab. Immer mehr Politiker äußern sich zu dem Beschluss der bayerischen Staatsregierung, wonach ab dem 1. Juni in allen staatlichen Dienstgebäuden Bayerns ein gut sichtbares Kruzifix hängen muss. Dieses sei Ausdruck der „geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns“, heißt es in der geänderten Geschäftsordnung.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) kritisierte eine Ausgrenzung von Millionen Andersgläubiger. Bayern Ministerpräsident Markus Söder instrumentalisiere nicht nur eine Religion, „sondern grenzt auch Millionen Menschen aus – Muslime, Atheisten, Juden“, sagte die Grünen-Politikerin unserer Redaktion.

Claudia Roth: „in hohem Maße unchristlich“

„Herr Söder macht einen riesengroßen Fehler, wenn er glaubt, dass die Rückgewinnung der absoluten Mehrheit jedes Mittel heiligt.“ Er missbrauche das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermische bewusst Religion und Politik. Roth sagte, sie finde ein derartiges Verhalten „in hohem Maße unchristlich, unanständig sowieso“.

FDP-Chef Christian Lindner warf Söder (CSU) vor, das Kreuz zu entwürdigen. Feinde der Religion seien nicht die Kritiker von Söder, Feind der Religion sei Söder selbst. Denn er habe das Kreuz zu einem Symbol der Kultur und der Staates hierzulande erklärt, habe es damit profanisiert und von seiner christlichen Bedeutung getrennt, sagte Lindner der „Passauer Neuen Presse“.

Wolfgang Thierse: Kreuz nicht für Wahlkampf instrumentalisieren

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) betonte, das Kreuz als christliches Symbol dürfe nicht Gegenstand staatlicher Verordnung werden. Thierse gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an. Er verstehe zwar, dass Markus Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle, sagte er im RBB-Inforadio. Dies rechtfertige jedoch nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken.

Kardinal Marx: Spaltung und Unruhe

Kardinal Reinhard Marx sagte der „Süddeutschen Zeitung“, durch Söders Vorstoß sei „Spaltung und Unruhe“ entstanden. Wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol sehe, habe es nicht verstanden. Es stehe dem Staat nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute, so der Erzbischof von München und Freising, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Auch der frühere Präses der westfälischen Landeskirche, Alfred Buß, äußerte sich skeptisch. Das Kreuz symbolisiere das schiere Gegenteil von „Gesten der Dominanz und des 'Mia san mia'“, sagte der evangelische Theologe im „Wort zum Sonntag“ am Samstagabend in der ARD. Im Zeichen des Kreuzes gelte es, „Frieden zu stiften unter Widersachern, zu trösten, die da Leid tragen, und satt zu machen, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“.

Margot Käßmann: Zeichen von Ohnmacht, Leid und Barmherzigkeit

Die Reformationsbotschafterin der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, sagte am Sonntag in Heidelberg: Ein „Irrsinn mag dieses Kreuz den Menschen sein, aber es ist eben gerade kein Zeichen von Macht, Herrschaft und Durchsetzungsvermögen“. Vielmehr sei das Kreuz ein Zeichen von „Ohnmacht, Leid und dem Schrei nach Barmherzigkeit“. Auch der evangelische Christ Markus Söder müsste das wissen, sagte Käßmann.

Nicht nur Politiker und Kirchenverbände äußerten Kritik an der bayerischen Vorgehensweise. Auch Juristen halten die Anordnung für problematisch. Eine Umfrage ergab zudem, dass die Mehrheit er Deutschen in Behörden aufgehängte Kruzifixe ablehnt. (epd)