Hinterhalt

Österreischische Blauhelme nach Golan-Drama unter Verdacht

Österreichische Blauhelmsoldaten stehen im Verdacht, den Tod von Syrern verantwortet zu haben. Österreich will den Vorfall untersuchen.

Golan Video

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Wien.  UN-Blauhelme aus Österreich stehen im Verdacht, syrische Polizisten auf den Golanhöhen nicht vor einer tödlichen Falle gewarnt zu haben. Ein von der österreichischen Wochenzeitschrift „Falter“ am Freitag veröffentlichtes Video scheint zu zeigen, wie neun Syrer in einem Hinterhalt in einem Kugelhagel sterben. Andere Quellen sprechen von 13 Toten.

Die UN-Soldaten, die in dem Video nur zu hören und nicht zu sehen sind, scheinen den Vorfall im September 2012 selbst gefilmt zu haben. Das Verteidigungsministerium in Wien hat eine Untersuchungskommission eingesetzt.

„Die Vorfälle werden lückenlos und minutiös aufgeklärt werden“, sagte Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ). Der Zwischenfall sei „in dieser Dimension“ erst durch die dem „Falter“ zugespielten Fotos und Videos bekannt geworden, hieß es in einer Stellungnahme.

Ließen die Blauhelm-Soldaten die Syrer bewusst passieren?

Der Vorwurf lautet, dass die Soldaten des Grenzpostens die Syrer bewusst passieren ließen, obwohl sie von der Gefahr gewusst hätten. Bei den Toten soll es sich um Geheimpolizisten gehandelt haben. Von den Soldaten im Video werden sie als Schmuggler bezeichnet.

In dem Video ist ebenfalls zu hören, wie die Blauhelme besprechen, ob sie die Syrer hätten warnen müssen. „Wenn da einer überbleibt, kommt er rüber und schießt uns ab“, ist ein Mann umgangssprachlich zu hören. Nach dem von den Soldaten bezeichneten „Himmelfahrtskommando“ diskutieren die Männer darüber, ob es noch Sinn hat, einen Krankenwagen zu schicken.

Befehl lautetet: „Nicht einmischen“

Golan Video

Ein ehemaliger Bundesheer-Soldat hat sich inzwischen zu dem Fall geäußert und seine Kollegen in Schutz genommen. „Der Befehl lautete: nicht einmischen“, sagte der Mann den „Salzburger Nachrichten“. Wenn sie die Syrer gewarnt hätten, wären sie selbst „auf der Abschussliste der Bewaffneten“ gelandet.

„Sie haben zu 100 Prozent korrekt gemäß unserem Auftrag gehandelt“, sagte der Soldat der Zeitung, der selbst ein Jahr am Golan im Einsatz war und die auf der Videoaufnahme zu hörenden Soldaten erkannt hat.

UN ist seit 1974 am Golan zur Friedenssicherung aktiv

Eine multinationale UN-Truppe auf den Golanhöhen überwacht seit 1974 die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Syrien und Israel. Österreich beendete 2013 seinen UN-Einsatz nach 39 Jahren. (dpa)