Peking/Panmunjom

Ein bisschen Frieden

Beim Treffen der beiden Koreas kam weitaus mehr heraus als erwartet. Doch wie ernst es Kim mit der Versöhnung meint, ist offen

Peking/Panmunjom. UN-General­sekretär António Guterres sagte, er sei „berührt“ gewesen, als er die Bilder der beiden Staatschefs gesehen habe. Als „wahrhaft historisch“ bezeichnete der UN-Chef das Treffen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in vom Freitag. Sie hätten viele Menschen rund um die Welt beeindruckt. Nun zähle er darauf, dass beide Seiten alle vereinbarten Schritte auch tatsächlich umsetzen.

Damit wirft Guterres die Frage auf, die sich einen Tag nach dem Korea-Gipfeltreffen viele stellen: Meint es Nordkoreas Diktator nach den letzten Jahren des Säbelrasselns mit der Versöhnung und der atomaren Abrüstung nun wirklich ernst? Oder werden wie schon nach den letzten beiden innerkoreanischen Gipfeln 2002 und 2007 die damals schon angestoßenen Friedensprozesse rasch wieder verpuffen?

Vor dem Gipfel hatte kaum jemand mit einem Durchbruch dieser Tragweite gerechnet. Bei ihrer ersten persönlichen Begegnung einigten sich Moon und Kim in den mehr als achtstündigen Gesprächen im Grenzort Panmunjom nicht nur auf die gemeinsame Erklärung, auf der koreanischen Halbinsel nuklear abzurüsten. Es soll noch in diesem Jahr eine Friedensvereinbarung geben, die das Waffenstillstandsabkommen seit Ende des Koreakriegs vor 65 Jahren ablöst. Damit wäre erstmals seit sechseinhalb Jahrzehnten der Kriegszustand auf der koreanischen Halbinsel beendet.

Zudem sollen erstmals seit drei Jahren auch wieder Familienzusammenführungen stattfinden. Die letzten Male waren es hochemotionale Veranstaltungen, hatten sich die wenigen noch Verbliebenen allesamt seit 65 Jahren nicht mehr gesehen. Ebenso soll eine wirtschaftliche Zusammenarbeit und kultureller Austausch wieder aufgenommen werden. Der gemeinsame Einzug bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele Anfang Februar im südkoreanischen Pyeongchang sei nur ein Vorgeschmack gewesen, hieß es am Sonnabend vom südkoreanischen Wiedervereinigungsministerium. Sämtliche militärische Feindseligkeiten an der Grenze sollen sofort eingestellt werden, die gegenseitige Propaganda-Beschallung ist bereits gestoppt. Wie und wann die nukleare Abrüstung beginnen soll, ist noch offen. Das wird sicherlich auch vom Treffen abhängen, das für Ende Mai oder Anfang Juni zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump vorgesehen ist. Auch Trump begrüßte den Ausgang des Gipfels. Er betonte jedoch, dass die USA den wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea bis zu einer „vollständigen Denuklearisierung“ aufrechterhalten werde. Er wolle die Fehler früherer Regierungen nicht wiederholen. Doch auch der US-Präsident geht nicht davon aus, dass Kim nur bluffe. So weit sei es noch nie gekommen, twitterte Trump und meint damit den Eifer aller Beteiligten, eine Vereinbarung zu erzielen.

Nach dem symbolträchtigen innerkoreanischen Gipfel richtet sich nun der Blick auf genau dieses Treffen. Es wird das erste Mal sein, dass ein US-Präsident einen nordkoreanischen Machthaber offiziell trifft. Trump twitterte am Sonntag, es sei bereits ein Termin gefunden – ohne diesen konkret zu nennen. Die Chancen, dass Kim auch auf Trump zugehen könnte, werden nach den Zugeständnissen vom Freitag als sehr hoch eingeschätzt. Experten vermuten, dass für Kim die Zeit drängt. Die Wirtschaft des weitgehend isolierten Staates ist noch nie stark gewesen, die Sanktionen hätten die Situation aber noch sehr viel schlimmer gemacht. Australiens Ministerpräsident Malcolm Turnbull sieht in den Strafmaßnahmen sogar den Hauptgrund für Kims Bereitschaft, die Atomwaffen abzubauen. Auch er fordert: „Wir dürfen bei dem wirtschaftlichen Druck zu diesem Zeitpunkt daher auf keinen Fall nachgeben.“