Brüssel

Impfmüdigkeit alarmiert die EU

| Lesedauer: 2 Minuten
Von Christian Kerl

Fast 15.000 Masernfälle in einem Jahr. Plan der Kommission soll Impfraten steigern

Brüssel. Die EU-Kommission schlägt wegen der wachsenden Impfmüdigkeit in Europa Alarm: Innerhalb von zwölf Monaten seien in der EU fast 15.000 Fälle von Masern gemeldet worden, die allermeisten Betroffenen seien nicht geimpft gewesen, sagte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis am Donnerstag in Brüssel. Und mindestens 40.000 Menschen würden in der EU jährlich an den Folgen einer Grippeerkrankung sterben – niedrige Impfraten seien eine der Ursachen.

„Ich bin bestürzt darüber, dass Kinder sterben, weil das Impfangebot schlecht angenommen wird, weil Impfskepsis herrscht oder weil es an Impfstoffen fehlt“, sagte Andriukaitis, der selbst ausgebildeter Arzt ist. Weil Infektionskrankheiten nicht an Landesgrenzen halt machten, werde mangelnder Schutz in einem EU-Staat zum Risiko für die Gesundheit aller EU-Bürger. Als Konsequenz legte die Kommission einen 20-Punkte-Plan zur Steigerung der Impfraten in Europa vor. Zentraler Ansatzpunkt ist eine bessere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten. Vorgeschlagen werden etwa nationale und regionale Impfpläne – unter anderem mit dem Ziel, dass bis 2020 europaweit bei Masern 95 Prozent aller Kinder zur Einschulung gegen Masern geimpft sind; ein Anteil, der in Deutschland aktuell bereits erreicht ist. In der Schule oder am Arbeitsplatz soll routinemäßig der Impfstatus überprüft werden. Die Kommission will auch den Weg ebnen für einen einheitlichen Impfpass, der einen grenzübergreifenden elektronischen Austausch ermöglicht. Ein Informationsportal über aktuelle Erkenntnisse zum Nutzen von Impfstoffen und die Fortbildung von medizinischem Personal soll für eine bessere Kommunikation sorgen.

Gesundheitskommissar Andriukaitis richtete auch scharfe Angriffe gegen Impfgegner: Diese verbreiteten falsche Informationen und trügen damit zur Ausbreitung vermeidbarer Krankheiten bei. Die Kommission schlägt deshalb die Bildung einer „Impfkoalition“ aus den europäischen Verbänden der Gesundheitsberufe vor, die die Öffentlichkeit korrekt informieren und irrige Annahmen widerlegen solle. Tatsächlich schützten Impfungen nachweislich gegen Infektionskrankheiten, sie seien „eine der größten medizinischen Errungenschaften unserer Zeit“, sagte Andriukaitis.

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