Parteitag

SPD-Vorsitz: Wie viel Prozent kann Lange Nahles abtrotzen?

Andrea Nahles und Simone Lange konkurrieren am Sonntag um den SPD-Vorsitz. Martin Schulz wird in Wiesbaden seine Abschiedsrede halten.

Mehr Basis, weniger Basta: Wie sich die SPD erneuern will

Wie sieht die neue SPD aus? Mehr wie Kevin Kühnert oder Andrea Nahles? Johanna Rüdiger hat SPD-Generalsekretär Klingbeil gefragt.

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Wiesbaden.  Wochenlang gingen sie sich aus dem Weg. Wenige Stunden vor Beginn des SPD-Parteitages schüttelten sich Andrea Nahles und Simone Lange am Samstag in Wiesbaden die Hände. In einer Vorstandssitzung plauderten sie kurz, dann setzten sie sich auf ihre Plätze. Eine der beiden Frauen wird am Sonntagnachmittag erste Vorsitzende in der 155-jährigen Parteigeschichte werden – so gut wie sicher wird es Nahles sein, die bereits die Bundestagsfraktion führt.

Ihrer Herausforderin Lange, die in Flensburg Oberbürgermeisterin ist, wird aber zugetraut, um die 20 Prozent der Stimmen zu bekommen. Lange hat sich geschickt als Gesicht jener SPD-Mitglieder inszeniert, die sich von „denen da oben“ in der Berliner Parteiführung vernachlässigt fühlen. Nahles will gemeinsam mit Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz die bei der Wahl im September auf 20,5 Prozent abgestürzte SPD erneuern.

Simone Lange: Das muss man über die Nahles-Herausforderin wissen
Simone Lange: Das muss man über die Nahles-Herausforderin wissen

„Der Parteitag der SPD wird der Schlussstein sein an einem Gebäude, das mit vielen Entscheidungen der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Mitglieder gebaut worden ist“, meinte Scholz. Juso-Chef und GroKo-Gegner Kevin Kühnert will Nahles wählen, warnt aber vor einem „Weiter so“. „Das Schlimmste wäre, wenn wir in einem halben Jahr wieder in den Alltagstrott verfallen würden. Die Gefahr ist sehr groß“, sagte Kühnert. Es sei die Aufgabe der Vorsitzenden, dagegen anzugehen.

Härtere Debatten um Hartz IV erwartet

In Wiesbaden will auch der zurückgetretene SPD-Chef Martin Schulz eine Abschiedsrede halten. Schulz sorgt sich um sein europapolitisches Erbe. Kritik gibt es auch am von Außenminister Heiko Maas ausgelösten Kursschwenk mit einer härteren Gangart gegenüber Russland. Härtere Debatten stehen der SPD in der Sozialpolitik bevor. Während Arbeitsminister Hubertus Heil und der linke Parteiflügel über die Zukunft von Hartz IV diskutieren wollen, fürchten Scholz und Nahles eine rückwärtsgewandte Debatte über die vor 15 Jahren von Gerhard Schröder begonnenen, umstrittenen Arbeitsmarktreformen. (tb)

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