Trennung

Christian Lindner und Dagmar Rosenfeld: Ende einer Koalition

FDP-Chef Christian Lindner und seine Frau Dagmar Rosenfeld haben sich getrennt.

Dagmar Rosenfeld und Christian Lindner haben sich getrennt.

Dagmar Rosenfeld und Christian Lindner haben sich getrennt.

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Berlin.  Als alles noch in Ordnung schien, leistete sich die Journalistin Dagmar Rosenfeld (45) einen denkwürdigen Gag: In der „Welt“ gab sie kurz vor der Bundestagswahl Stil-Tipps für einige Spitzenkandidaten. Auch für Christian Lindner (39), ihren Ehemann. Der FDP-Chef, schrieb sie damals, setze sich „mit Haut und Haaren für den Wiedereinzug in den Bundestag ein“, lasse sich dafür auch schon mal im Unterhemd für Werbespots ablichten.

Und: „Um liberales Wachstum zu generieren, ließ er sich erst einmal Haare transplantieren.“ Die Stilkritik endet mit dem Rat: „Bei der Wahl der Oberbekleidung für Werbespots künftig vorher die Ehefrau fragen.“ Damit ist es nun vorbei. Christian Lindner und Dagmar Rosenfeld haben sich getrennt.

Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Lindners Anwalt berichtet, geht das Paar bereits seit geraumer Zeit getrennte Wege. Die beiden hätten sich „freundschaftlich“ getrennt, hieß es. Über die Gründe wurde zunächst nichts bekannt. Und auch nicht, ob bereits neue Partner in Sicht sind. Der FDP-Chef wolle sich vorläufig auch nicht zu seiner privaten Lage äußern, hieß es am Donnerstag in seinem Umfeld. Die „Welt“ bestätigte das Ehe-Aus.

Ehe hielt auch schwierige politische Zeiten aus

Christian Lindner hatte die Journalistin Dagmar Rosenfeld vor neun Jahren kennengelernt, die Hochzeit folgte im August 2011 auf Schloss Eicherhof im Rheinland. Lindner hatte seinen Heiratsantrag auf eine Papierserviette geschrieben – mit drei Möglichkeiten zum Ankreuzen: Ja, nein, vielleicht. Es wurde ein „Ja“ – und lange Zeit sah es so aus, als würden die beiden großes Glück miteinander haben: Die Ehe hielt, als die FDP zwei Jahre später aus dem Bundestag flog und am Boden lag, sie hielt während der oft deprimierenden folgenden vier Jahre und sie hielt auch noch, als Lindner die Liberalen bei der letzten Wahl wieder mit in den Bundestag zurückführte.

Doch irgendwann in den Wochen und Monaten danach muss es schwierig geworden sein. Lindner ließ die Jamaika-Verhandlungen platzen und irritierte damit das halbe Land. Auch zu Hause dürfte es Fragen gegeben haben: Rosenfeld, die von der „Zeit“ inzwischen in die Chefredaktion der „Welt“ gewechselt war, hatte ihrem Mann bei ihrer Stilkritik schließlich ausdrücklich den Herrenduft „Amazinggreen“ empfohlen – mit dem Zusatz „riecht nach schwarz-gelb-grüner Regierung“.

War es am Ende das verflixte siebte Jahr? Oder doch eher die doppelte Herausforderung, das Leben eines Spitzenpolitikers und einer Spitzenjournalistin im Alltag unter einen Hut zu bringen? Lange Zeit glaubten sie offenbar eher an die Vorteile eines solchen Lebens.

Bemerkenswerter Zeitpunkt für Trennung

„Wir streiten uns über politische Fragen, nicht über offene Zahnpastatuben“, freute sich Lindner in den ersten Jahren der Beziehung. Doch sie eckten auch an: Rosenfelds Styling-Gag wurde vom deutschen Presserat kritisiert – die Autorin sei als Ehefrau befangen. Rosenfeld klagte ihrerseits, durch die Ehe mit Lindner würden viele ihre berufliche Eigenständigkeit in Zweifel ziehen. Ihr Eindruck: Die Leute würden keinen Unterschied machen zwischen „unter einer Decke liegen“ und „unter einer Decke stecken“.

Für Lindners Partei kommt die Nachricht vom Ehe-Aus zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Nicht nur der Chef, die ganze Partei hat gerade ein Frauenproblem – genauer: ein Problem mit den fehlenden Frauen. Nur jedes fünfte Mitglied ist weiblich, auch bei den Wählerinnen kommen andere Parteien besser an. Die FDP gilt als Männerclub, als Boygroup, als Truppe junger, tougher Aufsteigertypen.

Jetzt soll die Frauenförderung in der Partei angekurbelt werden. Doch bislang ist vollkommen unklar, wie die Partei attraktiver für Frauen werden könnte. Den Vorschlag, einfach eine Frauenquote einzuführen, lehnen jedenfalls selbst die wenigen bekannten Spitzenfrauen der Liberalen bislang mehrheitlich ab.

Und nun? Wäre die FDP eine Band, könnte sie nun auf die verlässlichen Gesetze der Branche hoffen: Ist der attraktive Frontmann wieder zu haben, kommen die weiblichen Fans ganz von selbst. Aber Politik ist nicht Pop. Auch, wenn Lindner manchmal im Unterhemd auftritt.