Abendmahl

Papst schaltet sich in den Streit deutscher Bischöfe ein

Papst Franziskus greift in den Streit der deutschen Bischöfe ein. Es geht um das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten.

Papst Franziskus hat den deutschen Chef-Bischof Reinhard Marx in den Vatikan bestellt.

Papst Franziskus hat den deutschen Chef-Bischof Reinhard Marx in den Vatikan bestellt.

Foto: Evandro Inetti / dpa

Bonn/Berlin.  Papst Franziskus hat den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zum Gespräch über die geplante Öffnung des Abendmahls für evangelische Ehepartner bestellt.

„Den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat der Wunsch des Heiligen Vaters erreicht, wonach dieser vorschlägt, in der Sache ein Gespräch in Rom zu führen“, teilte die Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn mit. „Diesen Wunsch des Heiligen Vaters begrüßt Kardinal Marx ausdrücklich“, hieß es weiter.

Gemeinsames Abendmahl als Streitpunkt

Damit schaltet sich der Pontifex in einen offenen Streit in der Bischofskonferenz ein. Anfang April war bekanntgeworden, dass sich sieben deutsche Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki mit einem Brief an Papst Franziskus gewandt hatten, in dem sie die Rechtmäßigkeit des Zugangs von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion anzweifeln. Kardinal Marx war von dieser Initiative nicht informiert gewesen.

Zuvor, Ende Februar, hatte die Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrstagung mit großer Mehrheit beschlossen, eine „Handreichung“ für Geistliche zum Abendmahl von Ehepaaren unterschiedlicher Konfession auf den Weg zu bringen. Danach dürfen Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen künftig im Einzelfall gemeinsam an Eucharistiefeiern in katholischen Kirchen teilnehmen. Diese Handreichung wurde bisher nicht veröffentlicht.

Die Diskussion um ein gemeinsames Abendmahl ist seit Jahrzehnten ein Streitpunkt zwischen Katholiken und Protestanten. Das Abendmahl ist im Christentum von zentraler Bedeutung. Protestanten sind von katholischen Abendmahlsfeiern zumeist ausgeschlossen. Katholischen Christen wiederum untersagt das Kirchenrecht bisher die Teilnahme am evangelischen Abendmahl.

Es geht um theologische Feinheiten

Ein Grund: Evangelische Pfarrer sind aus katholischer Sicht nicht gültig geweiht. Papst Johannes Paul II. hatte 2003 in seiner Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ bekräftigt, dass ein katholischer Gläubiger nicht die Kommunion in einer Gemeinschaft empfangen könne, „der das gültige Sakrament der Weihe fehlt“.

Ein zweiter Grund für die untersagte Teilnahme am Abendmahl ist das unterschiedliche Eucharistieverständnis. Dabei geht es um theologische Feinheiten. Katholiken gehen von einer vollständigen und dauerhaften Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi aus (Transsubstantiation), Lutheraner hingegen sprechen von einer Allgegenwart (Ubiquität) oder der Einheit von Leib und Blut Christi in Brot und Wein (Konsubstantiation). Unterschiede, die selbst von theologischen Experten nur schwer vermittelbar sind.

Die evangelische Kirche hat mit der sogenannten Interkommunion kein Problem. Sie erlaubt den Katholiken, bei ihnen das Abendmahl zu empfangen.

Bischöfe fordern Klarstellung vom Papst

Der Gruppe katholischer Bischöfe, die den Beschluss der Bischofskonferenz nun in Zweifel zieht, gehört unter anderem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an. Zu den weiteren Unterzeichnern des Briefs an den Vatikan zählen der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sowie die Bischöfe von Augsburg, Eichstätt, Görlitz, Passau und Regensburg.

Es gehe ihnen letztlich um eine „Klarstellung, ob die Frage des Kommunionempfangs konfessionsverschiedener Ehepartner im Rahmen einer nationalen Bischofskonferenz entschieden werden kann, oder ob eine Entscheidung der Universalkirche notwendig ist“, teilte das Kölner Erzbistum mit. Nun muss sich zeigen, ob Franziskus diese Klarstellung im Gespräch mit Kardinal Marx liefert. (mit epd/dpa)