Rundfunkbeitrag

ARD-Intendanten verlangen Beitragserhöhung ab 2021

Die Ministerpräsidenten wollen, dass ARD und ZDF mehr sparen als bisher geplant. Die ARD-Chefs geben das Problem zurück an die Länder.

Immer wieder steht der Rundfunkbeitrag in der Kritik. Dabei ist er als ein Pfeiler unserer Demokratie gedacht. Wir zeigen, wofür wir den Beitrag eigentlich zahlen.

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München.  Die ARD sieht derzeit keinen Spielraum für ein weiteres Sparpaket, ohne am Programm zu kürzen. „Die Vorstellung, dass wir jetzt schon zum 1.1.2021 erneut Hunderte Millionen ausweisen können, ist nicht realistisch“, sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm am Donnerstag in München nach einer Sitzung der ARD-Intendanten in Bremen.

Den Bundesländern gehen die bisherigen, im vergangenen Herbst vorgelegten Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender nicht weit genug. Die Rundfunkkommission der Länder verlangt von ARD und ZDF bis zu diesem Freitag eine Stellungnahme zu weiteren Einsparüberlegungen.

Der Rundfunkbeitrag ist seit 2015 bis 2020 auf 17,50 Euro pro Haushalt im Monat festgelegt. Die ARD verlangt eine Erhöhung ab 2021, ansonsten müsse es tiefe Einschnitte im Programm geben. 2015 war der Beitrag zum ersten Mal in der Geschichte gesenkt worden, zuvor lag er sechs Jahre lang bei 17,98 Euro.

ARD beim Sport mit Kooperationen sparen

An die Adresse der Länder werde die ARD deutlich machen, „dass eine kurzfristige erhebliche weitere Einsparung nur möglich wäre, wenn wir die Qualität der Programme ausdünnen“, sagte Wilhelm. Jeder Sender werde aber beim Sparen nicht nachlassen. „Wir werden für die Zukunft weitere Anstrengungen unternehmen.“

So plane die ARD zum Beispiel ein gemeinsames Sendezentrum bei jedem künftigen Sport-Großereignis. Bei den Olympischen Winterspielen habe man gute Erfahrungen damit gemacht, sagte der BR-Intendant. In einem ersten Schritt sei dies innerhalb der ARD möglich. „Aber wir haben natürlich das Ziel, das mit dem ZDF gemeinsam zu machen. Wir werden mit dem ZDF sehr schnell auch die Gespräche führen.“

ARD will in ihren Programmen für sich selbst werben

ZDF-Intendant Thomas Bellut hatte bereits im März erklärt, schnelle weitere Sparbemühungen, wie von den Ländern verlangt, seien unrealistisch: „Wir können bis April keine seriös berechneten Projekte nennen.“

In einer mehrwöchigen Imagekampagne will die ARD im Sommer ihren gesellschaftlichen Wert und die Verbundenheit ihres Programms mit dem Publikum deutlich machen. Unter dem Motto „Wir sind deins“ sind Spots in den ARD-Programmen geplant. „Der Zuspruch des Publikums wächst“, sagte Wilhelm. Er persönlich sei dafür, einige Krimis im Fernsehen durch anspruchsvolle Literaturverfilmungen zu ersetzen. Statt vieler Talksendungen seien auch mehr Dokumentationen und erklärende Hintergrundbeiträge sinnvoll.

ARD-Chef Wilhelm sieht keinen Konflikt mit den Ländern

Schon am Mittwoch hatte das Erste PR in eigener Sache betrieben und das Ergebnis einer Umfrage bekanntgegeben, nach der es mit seinen Angeboten in Fernsehen, Hörfunk und Internet täglich 80 Prozent der Menschen in Deutschland ab 14 Jahren erreicht. Jede Woche seien es sogar 94 Prozent, wie aus der Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK MCR hervorgeht. Auftraggeber war der Bayerische Rundfunk.

Wie groß nun der Spardruck nach Austausch aller Argumente wirklich ist? Schwer zu sagen. Ulrich Wilhelm scheint bemüht, gelassen zu wirken. Gegenüber dem Mediendienst „meedia.de“ gab er sich zuversichtlich: „Ich gehe nicht davon aus, dass es wirklich zu einem Konflikt mit den Bundesländern kommt.“

Einen anderen Ton schlug allerdings die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Malu Dreyer an, die auch Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder ist. Es habe die klare Maßgabe an ARD, ZDF und Deutschlandradio, gegeben, am 20. April über neue Einsparvorschläge zu sprechen. „Die Länder haben sich sehr klar dazu geäußert.“

(ba/dpa/epd)