London

Nervengift stammt aus Russland

Fall Skripal: Mehrere Laboratorien bestätigen die Herkunft der Chemikalie

London. Jetzt ist es amtlich. Bei dem im Fall Skripal verwendeten Nervengift handelt es sich um einen chemischen Kampfstoff, der höchstwahrscheinlich aus Russland stammt. Großbritanniens Premierministerin Theresa May hatte Russland beschuldigt, in Salisbury ein der Nowitschok-Gruppe zugehörendes Gift eingesetzt zu haben und deshalb 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Als sich daraufhin knapp 30 weitere Länder solidarisch erklärten, führte das zu einer tiefen diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Am Donnerstag bestätigte die internationale Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die „Untersuchungsergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie“. Das britische Außenministerium beantragte daraufhin eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates, die für nächste Woche erwartet wird.

OPCW-Mitarbeiter hatten vor drei Wochen in Salisbury Proben sichergestellt und in mehreren Laboratorien untersuchen lassen. Alle kamen zu dem gleichen Resultat: Bei dem Kampfstoff handele es sich um ein Gift „von hoher Reinheit“. Damit sieht sich Großbritannien in einem anderen Punkt bestätigt, denn Theresa May hatte von einem „waffenfähigen Kampfstoff“ gesprochen und daraus geschlossen, dass nur ein Staat zu dessen Produktion fähig wäre. Ein weiteres Indiz, das auf Russland hindeutete. Doch benannten die OPCW-Kontrolleure die Substanz nicht mit „Nowitschok“, wie das May getan hatte. Zum einen, weil „Nowitschok“ nicht für eine einzelne Chemikalie, sondern für eine Gruppe von Nervengiften steht. Zum anderen will man es nicht öffentlich machen: Wie es am Ende des OPCW-Statements heißt, bekommen nur Diplomaten die chemische Formel zu sehen.

Für Außenminister Boris Johnson ist der Bericht die Bestätigung der britischen Position. „Es kann keinen Zweifel geben“, erklärte er, „über das, was eingesetzt wurde, und es gibt keine alternative Erklärung, wer verantwortlich ist – nur Russland hat die Möglichkeiten, das Motiv und die Vorgeschichte.“

Moskau wies die OPCW-Ergebnisse dagegen zurück. Russland akzeptiere keinerlei Ermittlungsergebnisse, so lange es keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der OPCW erhalte, teilte das Außenministerium mit.