Athen

Tauziehen um inhaftierte Soldaten

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Griechenland wirft der Türkei Geiselnahme vor, um geflohene Offiziere einzutauschen

Athen.  Das Schicksal von zwei griechischen Soldaten, die vor fast sechs Wochen an der Grenze zur Türkei wegen eines Übertritts festgenommen wurden, bleibt weiter ungewiss. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte am Montag, die Justiz werde in dem Fall „tun, was zu tun ist“. Die Regierung könne nicht in die Arbeit der Gerichte eingreifen. Den beiden 25 und 27 Jahre alten Soldaten, die nach eigener Aussage im dichten Nebel bei einer Patrouille versehentlich auf türkisches Staatsgebiet geraten waren, droht nach türkischen Medienberichten ein Prozess wegen „Militärspionage“. Die Männer sitzen seit dem 1. März im Hochsicherheitsgefängnis der westtürkischen Stadt Edirne.

Der griechische Außenminister Nikos Kotzias kritisierte, die Türkei nutze den Fall „zur Eskalation einer Krise“. Die beiden Soldaten hätten die Grenze nur „um einige Meter überschritten“, sagte Kotzias in einem „Spiegel“-Interview. „Jahrzehntelang haben wir in solchen Situationen die Soldaten einfach ausgetauscht“, sagte Kotzias. Es sei nicht gut, „dass die Türkei von dieser Praxis jetzt abweicht“. Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos wird deutlicher: Er wirft der türkischen Regierung vor, sie habe die beiden Soldaten als „Geiseln“ genommen. In Athen gibt es Vermutungen, Ankara benutze die beiden Griechen als Faustpfand, um die Auslieferung von acht türkischen Offizieren zu erreichen, die nach dem Putschversuch vom Juli 2016 nach Griechenland geflohen waren und dort Asyl beantragt haben.

Das Tauziehen um die Soldaten wird zu einer immer größeren Belastung für die historisch ohnehin gespannten griechisch-türkischen Beziehungen. Die beiden Nato-Verbündeten streiten seit Jahrzehnten um den Grenzverlauf und die Hoheitszonen in der Ägäis. Verteidigungsminister Kammenos hat jetzt 7000 zusätzliche Soldaten an die Grenze zur Türkei und auf die östlichen Ägäisinseln beordert. Kammenos drohte, Griechenland werde die Türkei „zerschmettern“, wenn sie „auch nur einen Millimeter“ griechischen Hoheitsgebiets beanspruche. Der türkische Europaminister Ömer Celik bezeichnete Kammenos als „impertinenten politischen Komiker, der ständig provoziert“. Celik appellierte an die EU, den griechischen Minister zurechtzuweisen.

Inzwischen befinden sich die griechisch-türkischen Beziehungen auf dem tiefsten Punkt seit dem Januar 1996, als die beiden Länder im Streit um zwei Felseninseln in der Ägäis an den Rand eines Krieges gerieten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan führt bereits drei Kriege, in Syrien, im Nordirak und gegen die Kurden im eigenen Land. Jetzt meldete Ankara erneut Ansprüche auf griechische Ägäisinseln an. Der türkische Staatschef spricht von einer „Großen Türkei in den Grenzen unserer Herzen“. Das macht vielen Griechen Angst, zumal die Türkei militärisch drückend überlegen ist. 106.000 griechischen Soldaten stehen 387.000 türkische gegenüber, die größte Nato-Armee nach den USA.

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