Damaskus/Berlin

Westen wirft Assad erneut Giftgas-Einsatz vor

| Lesedauer: 3 Minuten
Michael Backfisch

US-Präsident spricht von „Rückendeckung des Tieres Assad“. Moskau und Damaskus weisen Anschuldigungen zurück

Damaskus/Berlin. Frauen, Männer und Kinder liegen zusammengekauert in einem Keller. Sie haben weißen Schaum vor Mund und Nase, Symptome für einen Einsatz von Chemiewaffen. Menschen schnappen verzweifelt nach Luft. Helfer spritzen sie mit einem Wasserschlauch ab und verabreichen Atemmasken. Die Fotos und Videos, die seit Sonnabend aus der syrischen Stadt Duma verbreitet werden, lassen sich nicht verifizieren. Duma, ein Vorort östlich der Hauptstadt Damaskus, hat rund 100.000 Einwohner. Es ist der letzte größere Ort in dem Gebiet Ost-Ghuta, der noch von Aufständischen – zumeist islamistischen Kämpfern – kontrolliert wird.

Hilfsorganisationen werfen der syrischen Regierung vor, bei den Angriffen C-Waffen eingesetzt zu haben. Mehr als 150 Menschen seien getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Die Syrisch-Amerikanisch Medizinische Gesellschaft (Sams) berichtete von Nervengas-Attacken. Die Hilfsorganisation Weißhelme erklärte, ein Hubschrauber habe zuvor eine Fassbombe mit Chemikalien abgeworfen. Die Rettungsorganisation UOSSM sprach angesichts des mutmaßlichen Giftgas-Einsatzes von einer der schlimmsten chemischen Angriffe in der Geschichte Syriens, betonte ein Sprecher. Es sei über den Geruch von Chlor berichtet worden. Medizinische Helfer glaubten jedoch an die Verwendung von Sarin-Gas.

US-Präsident Donald Trump gab Russlands Präsidenten Wladimir Putin sowie dem Iran eine Mitverantwortung für den mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriff. „Präsident Putin, Russland und Iran sind verantwortlich für die Rückendeckung des Tieres Assad“, schrieb Trump am Sonntag mit Blick auf Syriens Präsidenten Baschar al-Assad auf Twitter. Es werde ein hoher Preis zu zahlen sein, kündigte Trump an, ohne Details zu nennen.

Das russische Militär und die syrische Führung wiesen die Vorwürfe zurück. Es handele sich um „fabrizierte Anschuldigungen“, sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko. Das russische Außenministerium bezeichnete die Berichte als Provokationen. Sie seien lediglich für die Terroristen und die radikale Opposition von Vorteil. Diese lehnten eine politische Lösung ab.

Vor genau einem Jahr hatten die USA auf einen anderen Giftgas-Einsatz reagiert und einen Militärflughafen der syrischen Armee angegriffen. Sowohl Präsident Trump als auch sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron hatten den Einsatz von Giftgas in Syrien immer wieder als „rote Linien“ bezeichnet.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Belege für den Einsatz chemischer Waffen in dem mittlerweile sieben Jahre andauernden Bürgerkrieg. Allein in 16 Fällen machte die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen die syrische Regierung eindeutig für Giftgasangriffe verantwortlich. Auch in Ost-Ghuta wurden bereits Chemiewaffen eingesetzt. Am 21. August 2013 starben mehr als 1400 Menschen durch das Nervengift Sarin.

Nach den heftigen Angriffen auf Duma berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana, dass die Rebellen einem Abzug aus der Stadt zugestimmt hätten. Alle Kämpfer der islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam („Armee des Islams“), die Duma kontrollieren, könnten Duma sicher verlassen. Zudem würden alle Gefangenen, die sich in der Gewalt der Gruppe befänden, übergeben.

( mit dpa )

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