Tel Aviv

Wieder mehrere Tote in Gaza

Zweiter großer Protesttag der Palästinenser an der Grenze zu Israel

Tel Aviv.  Dicker schwarzer Rauch steigt Hunderte Meter in den Himmel. Darunter stehen sich maskierte junge Männer und Soldaten gegenüber. Die Demonstrationen in Gaza lieferten am Freitag apokalyptische Bilder. Das lag vor allem an Tausenden Autoreifen, die im Vorfeld an den Grenzstreifen gekarrt und angezündet worden waren, um den Israelis die Sicht zu nehmen. Bis zum frühen Abend gab es beim zweiten großen Protesttag des „Marsches der Rückkehr“ weniger Todesopfer als vor einer Woche. Das palästinensische Gesundheitsministerium berichtete von sechs Toten, darunter auch ein 16-Jähriger, und mehr als 1000 Verletzten. Etwa ein Drittel der Verletzten habe Schusswunden erlitten.

Bei den Protesten am Karfreitag waren nach Angaben des Ministeriums insgesamt 22 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden. Die allermeisten der Todesopfer waren von israelischen Scharfschützen getroffen worden. Die UN und die EU warnten deshalb in dieser Woche vor dem Einsatz scharfer Munition. Möglicherweise hatte das blutige Durchgreifen des israelischen Militärs aber auch zur Folge, dass viele Demonstranten diese Woche abgeschreckt waren. Ein Palästinenser sagte dieser Zeitung: „Die meisten jungen Männer halten Abstand zum Zaun, und es sind auch insgesamt weniger Menschen gekommen.“ Nach 30.000 Demonstranten vor einer Woche waren diesen Freitag, dem „Tag der Reifen“, nur rund 20.000 an fünf verschiedenen Orten dem Aufruf der Organisatoren gefolgt. Die in Gaza regierende Terrororganisation Hamas hatte sich dem Protest angeschlossen und ihn maßgeblich unterstützt. Ihr Führer Yahya Sinwar zeigte sich in der Menge. Israels Armee erklärte das Grenzgebiet zum Gaza-Streifen am Freitag zum militärischen Sperrgebiet und setzte Hochleistungsventilatoren gegen den Rauch ein. Sie versuchte, die Demonstranten mit Tränengas und Gummigeschossen auf Abstand zu halten. Gegen die Flammen war unter anderem das Feuerwehrfahrzeug mit der stärksten Löschkanone Israels im Einsatz.

Anlass der Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein „Recht auf Rückkehr“. Israel lehnt dies ab. Die Hamas bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästina.

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