Muslime

Forscher sieht „Selbstzensur“ in deutscher Islam-Debatte

| Lesedauer: 2 Minuten
Darum geht es bei der Islam-Debatte wirklich

Darum geht es bei der Islam-Debatte wirklich

Islam-Debatte: Horst Seehofer sagt, der Islam gehört nicht zu Deutschland. Die Kanzlerin sagt das Gegenteil. Worum es bei der Debatte wirklich geht.

Beschreibung anzeigen

Islamwissenschaftler Bassam Tibi geht mit Muslimen und der deutschen Politik hart ins Gericht. Der Staat kapituliere vor dem Islam.

Zürich.  Der Islamforscher Bassam Tibi sieht schwerste Mängel in Deutschland bei der Diskussion um Integration und Migration von Muslimen. Die Debatte werde nicht ehrlich und nicht differenziert genug geführt, sagte Tibi der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Es gibt eine Atmosphäre der Selbstzensur in Deutschland“, mit der die kritische Stimmung in der Bevölkerung von Politik und Medien ausgeblendet werde, sagt der syrischstämmige Wissenschaftler.

Ein Streit darüber, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, berücksichtige nicht die Vielfalt dieser Religion, die in 57 Ländern praktiziert werde. „Den Islam gibt es nicht“, meinte Tibi. Er sehe sowohl bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wie auch bei Innenminister Horst Seehofer (CSU) „eine bemerkenswerte Lässigkeit und Ignoranz. Beide reden letztlich am Gegenstand vorbei.“ Die Islamkonferenz sei „deutsche Unterwerfung“. Der Staat kapituliere vor dem Islam.

Tibi: Debatte wird von der Politik unterdrückt

Deutschland benötige eine kritische Islam-Debatte, die aber von der Politik unterdrückt werde, so der 74-Jährige, der an der Universität Göttingen gelehrt und 1998 den Begriff „europäische Leitkultur“ geprägt hat. Der Wille zur Integration und die Bereitschaft, Muslime zu integrieren, seien sehr überschaubar.

Neunzig Prozent der Muslime in Deutschland lebten in Parallelgesellschaften. „Die meisten möchten auch gar nicht dazugehören. In Berlin gibt es libanesische, türkische und kurdische Parallelgesellschaften. In Cottbus gibt es schon eine syrische Parallelgesellschaft.“ Das liege auch an den Deutschen.

„Wer die Grundwerte nicht akzeptiert, soll gehen“

Unter Integration würden Registrierung, Alimentierung, häusliche Unterbringung, bestenfalls Sprachkurse verstanden. Integration heiße aber, dass man eine Bürgeridentität annehme. „Wenn dieser Faktor ausgeschlossen wird, bleibt nichts. Da steckt aber das deutsche Problem: Es gibt kein Identitätsangebot.“

Unter dem Strich sei die Anerkennung der europäischen Grundwerte durch die Muslime entscheidend. „Als ehemaliger Ausländer sage ich: „Wer die Grundwerte nicht akzeptiert, soll gehen. Bitte, hier ist die Tür“.“ (dpa)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos