Gaza/Berlin

Vereinte Nationen befürchten Gewaltwelle in Gaza

Nach Zusammenstößen an der Grenze zu Israel fordert UN-Generalsekretär Guterres „unabhängige Ermittlungen“

Gaza/Berlin. Angesichts der Unruhen in Gaza wächst weltweit die Sorge vor einer neuen Eskalation der Gewalt im Heiligen Land. UN-Generalsekretär António Guterres forderte „unabhängige und transparente Ermittlungen“ zu den Vorfällen vom Freitag. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 15 Palästinenser während des „Marschs der Rückkehr“ von israelischen Soldaten erschossen oder durch Panzergranaten getötet. Mehr als 1400 seien verletzt worden, die meisten durch Tränengas. Neu war, dass die israelischen Sicherheitskräfte nicht mehr allein auf Mannschaften am Boden setzten, sondern auch Drohnen zum Versprühen von Tränengas nutzten. Am Sonnabend kam es erneut zu Zusammenstößen. Drei Männer hätten Schussverletzungen an der Grenze zu Israel erlitten, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief einen Tag der Trauer aus. Nach palästinensischen Medienberichten waren am Freitag mehr als 20.000 Menschen zu den Protesten im Gazastreifen gekommen. Die dort herrschende radikal-islamische Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein „Recht auf Rückkehr“ für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israels untermauern. Israel lehnt dies ab. Die Demonstrationen kommen zu einer kritischen Zeit. Sie sollen bis zum 15. Mai dauern, an dem der 70. Jahrestag der Gründung Israels gefeiert wird. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als „Nakba“-Tag („Tag der Katastrophe“), weil im ersten Nahost-Krieg 1948 rund 700.000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Am 14. Mai wollen die USA zudem die US-Botschaft in Jerusalem eröffnen.

Die Bundesregierung sei wegen der Zusammenstöße „äußerst besorgt“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Er betonte einerseits die „legitimen Sicherheitsinteressen Israels“ an der Grenze zu den palästinensischen Gebieten, wies aber andererseits darauf hin, dass die Maßnahmen „verhältnismäßig“ sein müssten. Die Vereinten Nationen befürchteten, dass sich die Situation in Gaza in den kommenden Tagen verschlimmern könnte, erklärte der stellvertretende Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, Tayé-Brook Zerihoun.

Der palästinensische UN-Botschafter Rijad Mansur sagte, sein Land betrachte die Handlungsweise Israels als „ein riesiges Massaker gegen unser Volk“. Auch Ägypten und der Iran kritisierten die gewaltsamen Ausschreitungen. Iran unterstützt die Hamas und sieht Israel als seinen Erzfeind. Israel warf der Hamas dagegen eine gezielte Provokation vor. „Was wir gestern gesehen haben, war ein organisierter Terrorakt“, erklärte der israelische Armeesprecher Ronen Manelis. Nach seinen Angaben waren alle Todesopfer Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. „Die große Mehrheit von ihnen kennen wir als Terroraktivisten“, so Manelis. (mit )

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