Berlin

Jeder zweite Flug für Soldaten ist verspätet

Im Afghanistan-Einsatz verzögern sich An- und Abreise um Tage. Truppe ist genervt

Berlin. Die Hälfte der Hin- und Rückflüge von Bundeswehrsoldaten im Afghanistan-Einsatz findet verspätet statt. Das geht aus einer Übersicht für 2017 und das erste Quartal 2018 des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr hervor, die dieser Redaktion vorliegt. Demnach finden 49 Prozent der Flüge von Deutschland nach Afghanistan und umgekehrt mit Verzögerungen statt; ebenso 28 Prozent der Flüge von Deutschland nach Mali und umgekehrt. Als verspätet gilt bei der Bundeswehr ein Flug, wenn die Abflugzeit um mehr als sechs Stunden nach hinten verschoben wird. Afghanistan und Mali sind die größten Einsätze der Bundeswehr. Aktuell sind dort jeweils mehr als 1100 Soldaten stationiert.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), sieht in den verspäteten Flügen ein „ärgerliches Dauerproblem“. „Immer wieder kommt es bei Heimreisen aus Auslandseinsätzen zu Verspätungen von mehreren Tagen, weil kurzfristig Flüge abgesagt oder verschoben werden“, sagte Bartels dieser Redaktion. Das zehre an den Nerven der Soldaten und ihrer Familien. „Viele Soldaten freuen sich nach vier Monaten Einsatz in Afghanistan oder Mali auf Urlaub mit der Familie oder den Geburtstag eines Kindes – und kommen dann manchmal erst fünf Tage später als geplant bei ihren Lieben zu Hause an. Manche Soldaten buchen schon keinen Urlaub mehr direkt nach dem Einsatz, weil die Ankunft zu Hause unkalkulierbar geworden ist.“ Auch umgekehrt gebe es zu viele Fälle, „in denen sich die Soldaten von ihren Angehörigen verabschieden und dann geht es doch nicht los“. Das sei schwer erträglich.

Der Wehrbeauftragte mahnt deshalb Tempo beim Transportflugzeug A400M an. „Das Hauptproblem ist: Deutschland hat keinen geschützten Lufttransport für lange Strecken“, sagte Bartels. Für Afghanistan etwa sei die Bundeswehr auf die Hilfe der US Air Force angewiesen. Die Bundeswehr-Beschaffer sollten jetzt alles daransetzen, dass der A400M „möglichst bald vollständig funktioniert“, fordert Bartels. Falls sich die Ausrüstung mit dem neuen hochmodernen Raketenabwehrsystem noch länger verzögere, „sollte man vielleicht übergangsweise ein etabliertes Schutzsystem montieren“.

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