Angriff

Ex-Spion Skripal kam offenbar zuhause in Kontakt mit Gift

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Polizistinnen bewachen das Haus des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Sergej Skripal, der Anfang März vergiftet worden war.

Polizistinnen bewachen das Haus des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Sergej Skripal, der Anfang März vergiftet worden war.

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

Die Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal löste weltweit Entsetzen aus. Womöglich wurde er bereits zu Hause vergiftet.

London/Salisbury.  Der mit Nervengift vergiftete russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia sind wohl zu Hause in Kontakt mit dem tödlichen Kampfstoff gekommen. Das teilte die britische Polizei am Mittwochabend mit. Demnach wurde die höchste Konzentration des Gifts an der Tür des Wohnhauses von Sergej Skripal im englischen Salisbury gefunden.

Skripal und seine Tochter Yulia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Innenstadt von Salisbury entdeckt worden. Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass sie mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. Beide befinden sich seitdem in einem kritischen aber stabilen Zustand.

Weltweite Ausweisung von Diplomaten

Großbritannien und andere Regierungen machen Russland für den Anschlag verantwortlich. und verlangt Beweise.

Trotzdem wiesen weltweit inzwischen 26 Staaten russische Diplomaten aus, darunter auch Deutschland, Frankreich und die USA. Die Gesamtzahl der betroffenen Personen liegt bei mehr als 140. Sieben weiteren russische Diplomaten wurden von der Nato vor die Tür gesetzt.

Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat am Mittwoch in einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump die Ausweisung russischer Geheimdienstmitarbeiter aus den USA begrüßt. „Die Premierministerin hat betont, dass die USA eine sehr starke Antwort gegeben hätten und dass sie die breite internationale Antwort von 26 Staaten begrüße“, ließ May mitteilen.

USA weisen 60 russische Diplomaten aus
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Östrerreich will keine russischen Diplomaten ausweisen

Den Angaben aus Washington zufolge gaben beide Politiker als wichtiges Ziel aus, russische Spionageringe in den USA und Großbritannien zu zerschlagen, „um geheime russische Aktivitäten einzudämmen und weitere Angriffe mit Chemiewaffen auf dem Boden beider Staaten zu verhindern“.

Österreich will vorerst keine Diplomaten ausweisen und erhält dafür Kritik. Der Außenexperte Elmar Brok sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstag), alle EU-Staaten hätten gemeinsam handeln müssen. „Dass Österreich auf Neutralität pocht, ist absurd, schließlich geht es um Solidarität für ein EU-Land, in dem ein offensichtlich von Russland befohlener Giftanschlag verübt wurde.“ Der Europa-Abgeordnete David McAllister sagte, alle EU-Staaten inklusive Österreich sollten volle Solidarität zeigen.

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Griechenland, Bulgarien und Portugal bleiben ebenfalls neutral

Neben Österreich weigern sich auch Luxemburg, Griechenland, Bulgarien, Slowenien, Zypern, Malta, Portugal und die Slowakei, russisches Botschaftspersonal auszuweisen. Gründe sind etwa die unklare Beweislage, die teilweise engen wirtschaftlichen Beziehungen und diplomatische Erwägungen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte am Dienstag geschrieben, man wolle „Brückenbauer zwischen Ost und West sein und Gesprächskanäle nach Russland offenhalten“.

SPD und Linke kritisieren Ausweisungen ebenfalls

In Deutschland kritisierten SPD und Linke die Ausweisungen.Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich nannte den Schritt „übereilt“. Er werde „den politischen Kriterien, die an den Giftanschlag Skripal angelegt werden sollten, nicht gerecht“, sagte der Außenpolitiker am Montag der „Welt“.

Die Linksfraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht sprach von „schlichtem Unverstand“. Das Verbrechen von Salisbury sei bislang nicht aufgeklärt, Beweise für die russische Täterschaft lägen nicht vor, sagte Wagenknecht. Auch Linke-Außenpolitiker Stefan Liebich nannte die Ausweisung „nicht klug“. Die Bundesregierung selbst halte eine Verantwortung Russlands nur für „wahrscheinlich“. (dpa)

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