Carcassonne

„Er ist als Held gefallen“

Arnaud Beltrame ließ sich beim Terroranschlag gegen eine Geisel eintauschen. Seinen Einsatz bezahlte der Polizist mit seinem Leben. Frankreich trauert

Carcassonne. Ganz Frankreich ehrt ihn als Helden: Arnaud Beltrame bot sich im Terrordrama im südfranzösischen Trèbes freiwillig als Austauschgeisel an. In der Nacht zum Sonnabend erlag der Polizist den Schussverletzungen, die ihm der islamistische Terrorist Radouane Laktim zugefügt hatte.

„Frankreich wird niemals sein Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen“, schrieb Innenminister Gérard Collomb. Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte ein Ehrenbegräbnis für Beltrame an und sagte: „Indem er sein Leben gegeben hat, um die mörderische Eskapade eines dschihadistischen Terroristen zu stoppen, ist er als Held gefallen.“ Und der Bruder des Verstorbenen, Cedric Beltrame, sagte RTL mit tränenunterdrückter Stimme: „Er hat sein Leben für jemand anderen gegeben. Er hat mit Sicherheit gewusst, dass er praktisch keine Chance hatte.“ Die Frau, für die er sich zur Verfügung stellte, überlebte.

Macron verspricht im Kampf gegen Terror Entschlossenheit

Arnaud Beltrame (45) war verheiratet, kinderlos und stammte aus der Bretagne. Er war ein Absolvent der Militärakademie Saint-Cyr in Coëtquidan in der Bretagne, einer 1802 von Napoleon gegründeten Offiziersschule des Heeres. Er verließ 1999 die renommierte Ausbildungsstätte als Jahresbester. Bereits dort wurde sein Kampfgeist hervorgehoben. Seine Ausbilder beschrieben ihn als jemanden, der niemals aufgebe. Im Jahr 2003 wurde er in die GSIGN aufgenommen, eine Spezialeinheit der Gendarmerie mit dem Einsatzschwerpunkt der Terrorismusbekämpfung. Zwei Jahre später wurde er zum Einsatz in den Irak geschickt. Für seine Tapferkeit erhielt er 2005 das militärische Verdienstkreuz. Beltrames Mutter sagte einem französischen Radiosender, sie sei nicht überrascht über den Mut ihres Sohnes: „Er hat immer alles für sein Heimatland gegeben.“

Arnaud Beltrame hatte laut der Tageszeitung „La Dépêche du Midi“ am 14. Dezember 2017 zusammen mit der Präfektur und der lokalen Feuerwehr in Carcassonne eine Anti-Terrorübung organisiert: Dabei wurde ein Angriff auf einen Supermarkt simuliert. Vielleicht zögerte er auch deshalb nicht lange, als es zum Ernstfall kam. Freiwillig begab er sich in die Hände des Täters, obwohl der dort zuvor schon zwei Menschen getötet hatte. Unklar sei noch, erklärte die Gendarmerie, ob die anderen Geiseln zum gleichen Zeitpunkt gehen konnten oder schon kurz vorher – jedenfalls war der Polizist am Ende alleine mit dem Täter im Supermarkt. Der Beamte hatte laut Innenminister Collomb sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte.

Er wurde lebensgefährlich verletzt, als der Angreifer auf ihn schoss – daraufhin stürmte die Polizei das Gebäude und erschoss den Täter. Der 25-jährige Radouane Laktime hatte am Freitag bei mehreren Attacken in der Region Carcassonne auf Menschen geschossen. Mit dem Tod des Beamten stieg die Anzahl der von ihm Getöteten auf vier. Der Angreifer hatte sich dabei selbst als „Soldat“ der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bezeichnet.

Die Ermittler wollen nun die Hintergründe aufklären – insbesondere, ob der Angreifer Mitwisser oder Unterstützer hatte. Die Herkunft seiner Waffe sei laut Chefermittler Molins bislang unklar. Zudem wurden im Supermarkt, wo die Geiselnahme stattfand, drei selbstgemachte Sprengsätze entdeckt, laut Justizkreisen außerdem gefunden wurde noch eine Pistole und ein Jagdmesser.

Eine Frau aus dem Umfeld des Täters sowie ein minderjähriger Freund Laktims wurden in Gewahrsam genommen. Der Angreifer hatte Vorstrafen wegen kleinerer Delikte, auch eine kurze Haftstrafe saß er ab. Die Behörden hatten ihn aber auch seit Jahren wegen möglicher Radikalisierung in einer Datenbank erfasst. 2016 und 2017 wurde er deshalb sogar überprüft – in welcher Form, ist nicht bekannt. Molins sagte, dabei hätten sich keinerlei Anzeichen für die Vermutung ergeben, dass der Mann tatsächlich zu einer Terrortat schreiten könnte.

Staatspräsident Macron versprach den Franzosen seine „absolute Entschlossenheit“ im Kampf gegen den Terrorismus. Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert.

In den vergangenen Monaten war es in Frankreich zwar ruhig geblieben, auch wenn die Behörden regelmäßig vor einer anhaltend hohen Terrorgefahr warnen. Zuletzt hatte im Oktober ein Angreifer in Marseille zwei Frauen erstochen. Innenminister Collomb hatte zudem Ende Februar mitgeteilt, dass seit Jahresbeginn wohl zwei Anschläge auf eine Sportstätte und auf Militärkräfte vereitelt worden seien.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen