Bericht

Fast 350 Millionen Euro Kindergeld gehen an Auslandskonten

Es fließt deutlich mehr Kindergeld ins Ausland als vor einigen Jahren. Hier arbeitende EU-Ausländer haben ein Recht auf die Leistung.

Nach geltendem Recht haben EU-Ausländer für die Dauer ihres Arbeitsaufenthalts in Deutschland Anspruch auf Kindergeld – auch wenn der Nachwuchs in einem anderen Land lebt.

Nach geltendem Recht haben EU-Ausländer für die Dauer ihres Arbeitsaufenthalts in Deutschland Anspruch auf Kindergeld – auch wenn der Nachwuchs in einem anderen Land lebt.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin.  Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im Jahr 2017 rund 343 Millionen Euro Kindergeld an Konten im Ausland gezahlt. Damit haben sich die Kindergeldzahlungen ins Ausland seit 2010 (35,8 Millionen Euro) fast verzehnfacht. Das berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter Berufung auf Zahlen der BA aus einer Kleinen Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, ist der Betrag im Vergleich zum Vorjahr allerdings gesunken: 2016 flossen noch 414 Millionen Euro an Konten im EU-Ausland.

Im Dezember 2010 wurde dem RND-Bericht zufolge für 61.615 ausländische Kinder, die nicht in Deutschland leben, Kindergeld gezahlt. Im Dezember 2017 waren es bereits 215.499 Kinder. Die meisten lebten in Polen (103.000 Kinder), Kroatien (17.000 Kinder) und Rumänien (17.000 Kinder), heißt es in dem Bericht. Außerdem erhielten knapp 34.000 im Ausland lebende deutsche Kinder die Leistungen.

Anspruch auf Kindergeld

Nach geltendem Recht haben EU-Ausländer für die Dauer ihres Arbeitsaufenthalts in Deutschland Anspruch auf Kindergeld – auch wenn der Nachwuchs in einem anderen Land lebt. Der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte vor einem Jahr einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach das Kindergeld für EU-Ausländer an das Niveau des Heimatlandes angepasst werden sollte, wenn ihre Kinder dort leben. Dies stieß jedoch in der EU-Kommission auf Widerstand.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer forderte, diese Zahlungen zu kürzen oder einzustellen. „Es ist den deutschen Steuerzahlern nicht vermittelbar, warum sie beispielsweise für bulgarische Kinder, die in Bulgarien leben, Monat für Monat Kindergeld überweisen müssen“, sagte er dem RND. „Die Bundesregierung schafft es nicht einmal, das Kindergeld für ausländische Kinder im Ausland an die entsprechenden Lebenshaltungskosten in den Heimatländern anzupassen.“

Kein Missbrauch

Der kinderpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Seestern-Pauly, hielt Springer entgegen: „Einmal mehr wird wahrheitswidrig und bewusst der Eindruck erweckt, dass es einen systematischen Missbrauch von Sozialleistungen gäbe. Dies ist nicht der Fall.“ Der CSU-Innenpolitiker Michael Frieser betonte, die Bundesregierung habe sich in Brüssel für eine Anpassung des Kindergeldes an die Lebenshaltungskosten vor Ort eingesetzt. Die Zahlen zeigten außerdem, dass der Großteil derer, die für ihre Kinder Kindergeld bezögen, auch in Deutschland Steuern zahlten.

Dem RND zufolge sei auch ersichtlich auch, dass die allermeisten Kinder mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft, für die Kindergeld gezahlt wird, in Deutschland leben. 2017 seien das 588.000 türkische, 155.000 polnische und 110.000 rumänische Kinder gewesen. (dpa/wck)

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