US-Geheimdienst

Designierte CIA-Chefin ließ in Geheimgefängnissen foltern

Gina Haspel wird neue CIA-Chefin nach Mike Pompeo. Ihre Methoden sind berüchtigt, Bürgerrechtler nennen sie eine Kriegsverbrecherin.

Gina Haspel, die designierte CIA-Chefin

Gina Haspel, die designierte CIA-Chefin

Foto: HANDOUT / REUTERS

Washington.  Es gibt Geschichten von Gina Haspel, die lassen selbst ehemalige Kriegsgefangene wie John McCain frösteln. In der von Rache und Vergeltungssucht geprägten Frühphase nach den Attentaten vom 11. September 2001 war die designierte neue Chefin des US-Auslandsgeheimdienstes CIA in Thailand stationiert – under cover, verdeckt. Sie leitete dort das „Katzenauge“. Eines von mehreren geheimen und völkerrechtlich als illegal eingestuften Gefängnissen, in denen Amerika Terror-Verdächtige im toten Winkel der Weltöffentlichkeit festhielt, verhörte und mit brutalen Methoden folterte. Die Taten sind in einem Senatsbericht aus dem Jahr 2014 dokumentiert.

Haspel, die auf 33 Jahre bei der „Central Intelligence Agency“ zurückblickt, war damals dabei, sah live zu, wie der inzwischen von allen Vorwürfen befreite Al-Qaida-Verdächtige Abu Subeida insgesamt 83 Mal mittels „Waterboarding“ (simuliertes Ertrinken) zum Reden gebracht werden sollte.

Deutscher Generalbundesanwalt wollte Haspel festnehmen lassen

„Sie ist buchstäblich eine Kriegsverbrecherin“, sagt Jameel Jaffer, der Rechtsexperte der Bürgerrechts-Organisation ACLU. Er erinnerte daran, dass Haspel es war, die über 90 kompromittierende Videoaufzeichnungen von den Terror-Verhören 2005 auf Geheiß von oben vernichten ließ.

Auch darum versuchte das „European Center for Constitutional and Human Rights“ in Berlin im vergangenen Juni, Haspel von der Generalbundesanwaltschaft festnehmen zu lassen. Vergebens.

Haspel muss sich Senatsanhörung stellen

Was der langjährigen Chefin der Abteilung für verdeckte Geheim-Operationen der CIA intern nicht schadete (sie genießt dort den Ruf einer kompetenten Führungsfigur), könnte ihr bei den anstehenden Anhörungen im Senat zum Verhängnis werden. Die Demokraten haben bereits durchblicken lassen, dass sie Haspel, die lange die CIA-Station in London leitete, mit ihrer Vergangenheit nicht für geeignet halten, die Behörde in Langley zu führen.

Republikaner wie John McCain, der im Vietnamkrieg gefoltert wurde, hält die Zeit nach 9/11 für eines der „dunkelsten Kapitel“ der jüngeren amerikanischen Geschichte. Der an einem schweren Gehirntumor leidende ehemalige Präsidentschaftskandidat will wissen, ob Haspel im Fall ihrer Berufung als Nachfolgerin des zum Außenminister aufsteigenden Mike Pompeo auf dem Boden der amerikanischen Verfassung stehen wird.

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Aggressive Strategie gegen Russland

Für Haspel wird der live im Fernsehen zu sehende Anhörungs-Marathon im Senat eine ganz neue Bewährungsprobe. Bisher agierte sie ausschließlich hinter den Kulissen, kennt sich hervorragend mit klandestinen Aktionen aus, nicht aber mit für das Fernsehen inszenierten Scharmützeln.

Einige Abgeordnete sind besonders interessiert, wie Haspel sich zum Thema Russland schlagen wird. Von ihr ist bekannt, dass sie Moskau aggressiver begegnen will; losgelöst von dem jüngsten Gift-Angriff auf einen ehemaligen Spion in Großbritannien.

Präsident Trump hingegen hält nach wie vor seine schützenden Hand über Russland. Als die CIA feststellte, dass Putins Gefolgsleute die US-Präsidentschaftswahl 2016 manipulieren wollten, warf Trump den eigenen Schlapphüten vor, sie würden seinen Wahlsieg entwerten. Wird Haspel im Amt dem Präsidenten widersprechen, wenn er erneut die Grenzen übertritt?

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