Konflikt

Bundesregierung vermeidet Kritik an Türkei-Offensive

Die Türkei setzt bei der Offensive im Norden Syriens wohl auch deutsche Panzer ein. Die Bundesregierung hält sich mit Kritik zurück.

Türkische Panzer in der Provinz Hatay in der Nähe der syrischen Grenze.

Türkische Panzer in der Provinz Hatay in der Nähe der syrischen Grenze.

Foto: - / dpa

Berlin.  Deutschland vermeidet nach der türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Region Afrin offene Kritik an der Regierung in Ankara. Die Bundesregierung habe kein vollständiges Lagebild und könne das türkische Vorgehen völkerrechtlich daher nicht einordnen, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, am Montag in Berlin. Die Türkei selbst berufe sich gegenüber den UN auf ihr Selbstverteidigungsrecht.

Man müsse einerseits die Sicherheitsinteressen der Regierung in Ankara berücksichtigen, sagte Adebahr. Andererseits bedeute weitere Gewalt für die Menschen in Syrien keine Verbesserung, sondern eine Verschlimmerung ihrer Lage. Über all diese Fakten werde am Abend der UN-Sicherheitsrat mit den Beteiligten sprechen. „Das ist eine Debatte, die wir ganz sicher unterstützen“, erklärte die Sprecherin.

Türkisches Militär setzt offenbar Panzer aus Deutschland ein

Die türkischen Streitkräfte setzen offensichtlich bei ihrer Offensive gegen die YPG im Norden Syriens auch deutsche Panzer ein. Ein Experte aus der Bundeswehr bestätigte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Montag, dass Bilder von der Militäroperation Panzer vom Typ Leopard 2 A4 aus deutscher Produktion zeigten.

Entsprechende Fotos wurden von der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, aber auch von internationalen Agenturen verbreitet. Die Türkei hatte Leopard-2-Panzer bereits im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien eingesetzt.

Deutschland lieferte sei 2006 354 Leopard-2-Panzer

Die Bundesregierung bestätigte die Berichte über den Einsatz von aus Deutschland an die Türkei gelieferten Panzer nicht. „Außer den Bildern aus den Medien, die Sie alle kennen, haben wir keine eigenen Erkenntnisse über den Einsatz von Leopard-Panzern“, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Holger Neumann. Der Nato-Partner Türkei hatte nach seinen Worten in den 80er und 90er Jahren 397 Leopard-1-Panzer bekommen. Von 2006 bis 2011 habe die Türkei dann noch 354 Leopard-2-Panzer erhalten.

Die Türkei verfügt damit über mehr Kampfpanzer als die Bundeswehr. Der Leopard wird von den deutschen Rüstungskonzernen KMW und Rheinmetall gebaut. Zu einem Medienbericht, wonach Bundesaußenminister Sigmar Gabriel die Modernisierung türkischer Leopard-Panzer durch Rheinmetall gestatten will, wollte sich Adebahr nicht äußern.

Türkei will Sicherheitszone schaffen

Die türkische Armee war in den vergangenen Tagen in die nordsyrische Provinz Afrin eingerückt, um die mit den USA verbündete Kurdenmiliz YPG von dort zu vertreiben. Ziel der „Operation Olivenzweig“ ist nach Aussage von Ministerpräsident Binali Yildirim die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Sicherheitszone.

Indem sie sich direkt gegen eine mit dem Nato-Partner USA verbündete kurdische Miliz stellt, eröffnete die Türkei eine neue Front im Syrien-Krieg. Deutschland und die Türkei bemühen sich seit einigen Monaten um einer Verbesserung ihrer gespannten Beziehungen. (dpa)

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