Protest

Münchner Polizist soll sich an G20-Krawallen beteiligt haben

Ein Polizist aus Bayern soll bei den G20-Krawallen in Hamburg seine Kollegen mit einer Bierdose beworfen haben. Er wurde suspendiert.

Hamburg.  Bei einer bundesweiten internen Fahndung ist jetzt offenbar auch ein Polizist als Werfer von mindestens einer Bierdose bei den G20-Krawallen identifiziert worden. Der 35-Jährige war in Hamburg bei seiner Freundin gewesen. Kollegen hatten ihn auf Bildern erkannt.

Der Polizist wurde sofort vom Dienst suspendiert. Dem Beamten steht jetzt eine Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchter gefährlicher Körperverletzung bevor. Bei einer Verurteilung droht ihm der Verlust seine Berufs.

Es waren Aufnahmen, die nach der Demonstration „Welcome to Hell“ in Hamburg am Hafenrand gemacht wurden. Sie zeigen, so hieß es aus Polizeikreisen gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“, einen Mann, der mindestens eine Bierdose von einer Balus­trade in Richtung von Polizisten wirft. Auch eine junge Frau, die bei ihm ist, wirft mit einer Dose. Getroffen, so hieß es weiter, hatten sie beide nicht.

Dienststelle Interne Ermittlungen hat den Fall übernommen

Der Fall ist einer von rund 3000 Vorgängen, die die Soko „Schwarzer Block“ bearbeitet. In mehreren Hundert Fällen sind Verdächtige namentlich bekannt. Seit Mitte der Woche gehört auch der Polizist zu den Beschuldigten. In München, wo der Polizist in der Einsatzzentrale Dienst getan haben soll, musste er sofort Dienstausweis und Waffe abgeben. Mittlerweile ermittelt die Soko „Schwarzer Block“ nicht mehr.

Die Dienststelle Interne Ermittlungen, angesiedelt bei der Innenbehörde, hat den Fall übernommen. Sie ist für Beamtendelikte zuständig. „Zu den laufenden Ermittlungen können wir keine Stellung nehmen“, sagt Behördensprecher Frank Reschreiter. Das „Hamburger Abendblatt“ erfuhr: Die Wohnung des bayerischen Polizisten wurde durchsucht. Dabei ging es darum, Bekleidung zu finden, die er zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Tat in Hamburg trug. Aus Polizeikreisen hieß es, dass der Beamte zum Zeitpunkt der Tat nicht im Dienst war.

Die Soko „Schwarzer Block“ ermittelt weiter gegen die Freundin des Polizisten. Sie wohnt auf St. Pauli. Auch sie, so sollen es die Aufnahmen belegen, hatte mit einer Bierdose auf Polizisten geworfen. Damit dürfte auch sie sich wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung verantworten müssen. Auch ihre Wohnung wurde zeitgleich mit der Aktion in Bayern von der Polizei durchsucht.

Beamter wurde polizeiintern erkannt

Dass der Polizeibeamte und auch seine Freundin nicht Teil der Öffentlichkeitsfahndung der Soko „Schwarzer Block“ waren, die im Dezember stattfand, hat seinen Grund. Sämtliche Fotos und Videoaufnahmen, auf denen Verdächtige zu sehen sind, werden zunächst polizeiintern zu Fahndungszwecken genutzt. Erst wenn dies erfolglos bleibt, werden Öffentlichkeitsfahndungen von der Staatsanwaltschaft beantragt, die in jedem einzelnen Fall von einem Richter angeordnet werden müssen.

Nach Informationen des „Hamburger Abendblatts“ ist in den vergangenen Wochen mehrfach neues Video- und Fotomaterial bei der Soko eingegangen ist. Es soll von Privatpersonen stammen. (zv)

Dieser Artikel ist zuerst im „Hamburger Abendblatt“ erschienen.

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