Berlin

Drogenbeauftragte: Rauchen in Filmen einschränken

Mortler sieht Zusammenhang zum späteren Konsumverhalten jüngerer Zuschauer

Berlin. Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, will, dass in deutschen Filmen weniger rauchende Schauspieler gezeigt werden. Von den Verantwortlichen der Filmindustrie wünscht sie sich einen sensibleren Umgang damit, wie Tabakkonsum dargestellt wird. Die Filmwirtschaft müsse „sich des eigenen Einflusses auf die Gesundheit der Zuschauer“ bewusst werden, sagte sie dieser Redaktion. „Je häufiger Jugendliche in Film- und Fernsehen sehen, dass geraucht wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst zur Zigarette greifen.“

Für Mortler ist der Schutz der Jugend keine Aufgabe, die ausschließlich auf Eltern übertragen werden dürfe: „Eine generelle Medienkompetenz bei den Zuschauern vorauszusetzen wäre leichtfertig und kurzsichtig.“ Sie will eine Lösung finden, die künstlerische Freiheit und Gesundheitsschutz in Einklang bringen kann.

Mortlers Forderung bezieht sich auf eine aktuelle Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung, das insgesamt 81 Produktionen aus den Jahren 2016 und 2017 ausgewertet hat. Dafür erfasste das Institut Filme, die in den letzten beiden Jahren entweder für einen Oscar oder für den Deutschen Filmpreis (Lola) nominiert wurden. Eine Produktion zählte dabei als „Raucherfilm“, sobald Schauspieler in einer Szene zur Zigarette greifen. Demnach wird in rund drei von vier untersuchten Filmen geraucht. Besonders bei deutschen Produktionen greifen Darsteller häufig zur Zigarette. In 33 der 39 Filme, die 2016 und 2017 für die Lolas nominiert wurden, sind rauchende Schauspieler zu sehen. In amerikanischen Filmen kommt dies seltener vor: Dort rauchten die Filmfiguren in 27 von 42 Filmen. Die Studienautoren sehen Zusammenhänge zwischen den dargestellten Szenen, in denen Protagonisten rauchen, und dem späteren Konsumverhalten jüngerer Zuschauer. So gelten Filmcharaktere oft als Vorbilder, die durch den Griff zur Zigarette auch das junge Publikum zum Rauchen animieren könnten.

Obwohl die Zahl der Raucher in Deutschland kontinuierlich abnimmt, ist die Kippe im deutschen Fernsehen nach wie vor präsent. Das spiegelt sich auch in den beiden kommerziell erfolgreichsten deutschen Filmen von 2016 und 2017 wider. Sowohl bei „Fack Ju Göhte 2“ mit 7,6 Millionen Zuschauern, als auch in „Willkommen bei den Hartmanns“ mit 3,5 Millionen Zuschauern wurde geraucht. Beide Filme wurden durch die Filmförderung mit etwa einer Million Euro in der Produktion unterstützt. Marlene Mortler ärgert das. In vielen Filmen habe das Rauchen immer noch ein viel zu gutes Image: „Dabei sind Zigaretten weder cool noch lässig, sondern schlicht und einfach ungesund!“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das in Deutschland ansässige Aktionsbündnis Nichtrauchen (ABNR) schlagen vor, Filme, die Raucherszenen enthalten, mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren zu versehen. In Deutschland müsste die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) ihre Kriterien zur Altersfreigabe grundlegend ändern.