Stadtwerbung

City-Toiletten: Der Übergang muss gelingen

Die Ausschreibung der City-Werbung rechnet sich. Aber auch bei den City-Toiletten muss der Übergang gelingen, meint Joachim Fahrun.

Einn Wall-Toilette auf dem Weittenbergplatz

Einn Wall-Toilette auf dem Weittenbergplatz

Foto: dpa Picture-Alliance / Markus C. Hurek / picture alliance / Markus C. Hur

Berlin. In den wilden 90er-Jahren war es eine gute Idee, Berlins vergammelte öffentliche Bedürfnisanstalten aufzugeben und sie von einem findigen Privatunternehmer durch schicke City-Toiletten ersetzen zu lassen. Das alles bekam Berlin scheinbar, ohne einen Heller zu zahlen. Und außerdem päppelte man eine der wenigen ambitionierten neuen Firmen, die es seinerzeit gab in der Stadt.

Die Gegenleistung, die der Stadtmöblierer Wall jahrelang erhalten hat, waren die Werberechte im öffentlichen Straßenland. Wie viel Geld das Unternehmen mit der Vermarktung der Flächen in den schicken City-Light-Anlagen tatsächlich erlöste, wusste die Stadt lange nicht. Licht in diese Blackbox zu bringen, war im Jahre 2017 dringend angebracht. Kaum nachzuvollziehen ist, warum sonst ordnungspolitisch strenge Oppositionsparteien wie CDU und FDP diesen Akt der finanziellen Hygiene bis heute kritisch sehen.

Das ganze Manöver bringt finanziell schon mal ein Plus

Zumal die Ausschreibung erbracht hat, was rot-rot-grüne Politiker schon lange ahnten: Die Werberechte sind erheblich wertvoller als die acht oder neun Millionen Euro, die sich die Stadt künftig ihre öffentlichen Toiletten kosten lassen möchte. Insofern bringt das ganze Manöver zumindest finanziell schon mal ein Plus.

Eine wesentliche Hürde steht aber noch vor dem Erfolg des rot-rot-grünen Senats. Der Übergang vom Wall-System zu einem neuen Betreiber mit neuen Toilettentypen muss gelingen. Auf keinen Fall darf es vor allem Senioren und Behinderten, aber auch anderen Bürgern und Touristen zugemutet werden, im Notfall vor verschlossenen Klo-Türen zu stehen. Dass Wall nun mit den City-Light-Anlagen weiter groß im Geschäft bleiben soll, dürfte für eine kooperative Grundstimmung sorgen. Vielleicht reicht ja die Gemeinsamkeit sogar aus, um auch künftig die bisher von Wall gesponsorten Weihnachtslichter auf dem Kudamm anzuschalten.

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