Gewalt

NRW denkt über Schutzwesten für Rettungskräfte nach

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten werden immer öfter attackiert. In NRW denken Politiker nun über Schutzwesten nach.

In Leipzig (Sachsen) wurden Polizisten an Silvester unter anderem mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

In Leipzig (Sachsen) wurden Polizisten an Silvester unter anderem mit Feuerwerkskörpern angegriffen.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Düsseldorf.  In der Debatte über Gewalt gegen Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten will NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auch vor drastischen Gegenmaßnahmen nicht zurückschrecken. Die Landesregierung werde „über alle Mittel nachdenken, die geeignet sind, gerade unsere ehrenamtlichen Retter zu schützen. Dazu können auch Schutzwesten gehören“, sagte Reul am Donnerstag der WAZ. Eine flächendeckende Ausstattung der Feuerwehren und Rettungsdienste mit solchen Westen sei „aber weder sinnvoll noch geplant“, so Reul weiter.

Rund 13 Prozent der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten in NRW sind innerhalb eines Jahres Opfer von körperlicher Gewalt im Einsatz geworden. Rund 60 Prozent wurden in Not- und Einsatzsituationen bereits beschimpft.

Diese Zahlen des Innenministeriums gehen auf eine Studie zurück, die das Land beim Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum in Auftrag gegeben hat. Die komplette Auswertung der Befragung unter 810 Einsatzkräften zu ihren Gewalterfahrungen im Dienst will Innenminister Reul Ende des Monats der vorstellen.

„Es geht nicht um Kavaliersdelikte“

In der vergangenen Silvesternacht hatten Attacken auf Feuerwehr und Polizei im ganzen Bundesgebiet , vor allem aber in Leipzig und Berlin, für Entsetzen gesorgt und eine bundesweite Debatte über den Schutz von Helfern ausgelöst. für Entsetzen gesorgt.„Übergriffe auf Rettungskräfte sind eklatante Rechtsverstöße. Da darf nicht so getan werden, als gehe es um Kavaliersdelikte“, sagte Reul.

In NRW war es vergleichsweise ruhig geblieben. Allerdings mussten auch an Rhein und Ruhr 25 Polizisten ärztlich behandelt werden.

Testlauf mit Elektroschock-Pistolen geplant

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, äußerte sein Unverständnis, dass „Tumultdelikte“ wie etwa am zweiten Weihnachtstag in Gelsenkirchen inzwischen schon keinerlei Aufmerksamkeit mehr erzeugten. Dort wurden zwei Polizisten bei einem Routine-Einsatz wegen Ruhestörung von 25 Personen aggressiv eingekesselt.

Auch Innenminister Reul zeigte sich in seinen ersten Amtsmonaten immer wieder entsetzt über eine Verrohung gegenüber Polizisten und anderen Einsatzkräften. Offenbar will das Land alsbald ein Maßnahmenpaket schnüren, um den Eigenschutz der Helfer zu verbessern. Dazu dürften ein Testlauf für Elektroschock-Pistolen (Taser) bei der Polizei gehören, aber auch ein Ausbau von Selbstverteidigungstrainings für nicht-polizeiliche Einsatzkräfte sowie die ergebnisoffene Prüfung von Schutzwesten.