Moskau

Putins Plan: 21 Jahre im Kreml

Russlands Präsident kündigt für 2018 vierte Kandidatur an. Sein Sieg gilt als sicher

Moskau.  Wladimir Putin erklärte sich scheibchenweise. Am Mittwochvormittag hatte der russische Staatschef vor Jugendlichen in der Stadt Nischni Nowgorod angekündigt, er werde die Entscheidung über seine Teilnahme an den kommenden Präsidentschaftswahlen in "allernächster Zukunft" fällen. Am Nachmittag besuchte er dann die Autofabrik GAS, wo ihn einer der Arbeiter wieder nach seiner Kandidatur fragte, und die ganze Belegschaft prompt skandierte: "GAS steht hinter Ihnen!" Putin antwortete: "Ja, ich werde mich für das Amt des russischen Präsidenten bewerben." Der Applaus war heftig.

Putins Ankündigung kam nicht überraschend. "Alles normal und planmäßig", sagte der kremlnahe Politologe Alexei Muchin dieser Redaktion. "Jede Spontanität ist in der Regel gut durchdacht. Und Wladimir Putin hat sich lange Gedanken gemacht, ob er noch einmal antreten möchte."

Putin, 65, war von 2000 bis 2008 im Amt, und ist es seit 2012 wieder. Bei einem Wahlsieg würde er das Land für weitere 6 Jahre regieren, säße damit insgesamt 21 Jahre im Kreml.

Seit Monaten spekulierten Moskaus Medien nicht ob, sondern wann Russlands starker Mann seine Kandidatur für die Wahl im März 2018 verkünden wird. Die Agentur RBK zitierte mehrere anonyme Kremlbeamte, die ankündigten, Putin werde seine Entscheidung beim Parteitag der Staatspartei "Einiges Russland", am 22. und 23. Dezember verkünden. Es herrsche kein Zweifel, dass Putin gewinnen werde, deshalb bedürfe es keines langen Wahlkampfes. Am Dienstag aber erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow, sein Chef könne seine Entscheidung jeden Tag bekannt geben.

Nach Aussagen der Meinungsforscher sind die Wahlen, die am 18. März kommenden Jahres stattfinden, schon jetzt entschieden. Laut einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM vom 26. November vertrauen 83 Prozent der Russen ihrem Präsidenten, nach einer Umfrage der Stiftung "Öffentliche Meinung" von Anfang November wollen 69 Prozent der Wähler für Putin stimmen.

Schon im vergangenen Dezember fixierte Sergei Kirijenko, der Kremlkurator für Innenpolitik, bei einem Seminar in der Präsidialverwaltung das Plansoll des Hauptkandidaten: 70 Prozent der Stimmen, bei einer Wahlbeteiligung von 70 Prozent. Zur Zeit droht Putin eher eine niedrigere Wahlbeteiligung: Nach einer Levada-Umfrage sind zur Zeit nur 58 Prozent bereit, im März zur Wahl zu gehen.

Nach Ansicht von Beobachtern führt der Kreml schon seit Monaten einen inoffiziellen Wahlkampf für Putin. Der Präsident tritt aktuell häufig in Fabriken und vor Jugendlichen auf, erst kürzlich stellte er landesweit ein monatliches Mutterschaftsgeld in Aussicht, das für jedes Kind 10.000 Rubel (mehr als 140 Euro) im Monat betragen soll, in vielen russischen Regionen ein stattliches Lehrergehalt. "Putin startet zum Finale", titelte die Zeitung "Moskowski Komsomoljez" gestern. Sie meinte weniger den Wahlkampf als Putins voraussichtlich letzte Amtszeit danach.

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