Militärputsch

Simbabwe bestätigt westliche Klischees über Afrika

Der Militärputsch im südafrikanischen Simbabwe zeigt die Schwächen des gesamten Kontinents auf. Auch von Europa ist Handeln gefragt.

Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, und seine Ehefrau Grace stehen unter Hausarrest.

Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, und seine Ehefrau Grace stehen unter Hausarrest.

Foto: Tsvangirayi Mukwazhi / dpa

Berlin.  Der Militärputsch im südafrikanischen Staat Simbabwe erinnert an das Drehbuch für einen schlechten Film. Ein greiser Diktator, der sein rohstoffreiches Land systematisch heruntergewirtschaftet hat, will seine mehr als 40 Jahre jüngere Frau als Nachfolgerin installieren. Diese ist machtbesessen und hat einen obszönen Hang zum Luxus, während das Volk hungert.

Den Offizieren geht dieser Herrschafts-Automatismus gegen den Strich. Sie setzen den 93-jährigen Präsidenten Robert Mugabe und seine Frau Grace unter Hausarrest und übernehmen die politischen Geschäfte – „vorübergehend“, wie es heißt.

Sumpf aus Korruption in Simbabwe kein Einzelfall in Afrika

Überbordende Korruption, staatliche Schlägertrupps, pompöses Dynastie-Gehabe an der Spitze: Alle billigen Klischees, die im Westen über Afrika zirkulieren, finden sich in den aktuellen Ereignissen in Simbabwe. Leider ist dieser Sumpf an Bestechung und Begünstigung kein Einzelfall.

Im südwestafrikanischen Land Angola hat der 75-jährige Staatschef José Eduardo dos Santos kürzlich nach 38 Jahren sein Amt an einen Protegé abgegeben. Seine Tochter Isabel leitet die nationale Ölgesellschaft Sonangol. Sie ist nach Angaben des US-Magazins „Forbes“ die erste Dollar-Milliardärin des Landes und die mächtigste Frau Afrikas. Auch für das mit Bodenschätzen gesegnete Angola gilt: Die große Mehrheit der Bevölkerung ist bettelarm. Eine Clique aus Verwandten und Generälen wirtschaftet in die eigene Tasche.

Auch Südafrika ist in alte Verhältnisse zurückgefallen

Südafrika, das unter dem großen Versöhner Nelson Mandela zu einem Leuchtfeuer der Hoffnung wurde, ist in die alten Verhältnisse zurückgefallen. Ägypten, einst der Katalysator des „Arabischen Frühlings“, darbt heute unter einer Militärdiktatur. In Zentralafrika herrschen Hunger, Korruption und Perspektivlosigkeit. Riesige Flüchtlingswellen Richtung Norden sind das Ergebnis.

Der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND, Bruno Kahl, hat gerade darauf hingewiesen, dass Afrika pro Jahr um 30 Millionen Menschen wächst. Es sei fraglich, ob die Bekämpfung von Fluchtursachen bei „dieser Dynamik überhaupt Schritt halten“ könne.

Gelder versickern oft in dunklen Kanälen

Der Plan der EU, die Afrikaner wirtschaftlich zu stärken und Investitionen anzukurbeln, ist zwar vernünftig. Das betrifft vor allem die Staaten rund um den Tschadsee, wo Millionen Menschen unter erbärmlichen Bedingungen leben und in die Flucht getrieben werden. Dennoch können diese Hilfen nur die Symptome von Afrikas Malaise lindern. In der Vergangenheit sind zu oft Gelder in dunklen Kanälen versickert. Es ist eine Illusion, zu glauben, man könne Afrika mit gigantischen Finanzspritzen stabilisieren.

Die traurige Wahrheit ist, dass die auf insgesamt zwei Billionen Dollar geschätzten Entwicklungsgelder, die in den vergangenen 60 Jahren geflossen sind, wenig bewirkt haben. Warum soll nun plötzlich gelingen, was seit Jahrzehnten nicht funktioniert hat? Gleichwohl: Es ist keine Alternative, die Hände in den Schoß zu legen und Afrika seinem Schicksal zu überlassen.

Europa müsste Freihandelsverträge kippen

Die Europäer können und sollen helfen. Ein Ansatz besteht zum Beispiel darin, die aufgezwungenen Freihandelsverträge zu kippen, die es den Europäern ermöglichen, afrikanische Märkte mit hoch subventionierten Agrar-Exporten zu überfluten. Die einheimischen Bauern können nicht mit den Billig-Importen konkurrieren.

Zweitens gibt es keine Besserung der Lebensbedingungen ohne Geburtenkontrolle. Aber das Wichtigste bleibt, dass die afrikanischen Entscheidungsträger ihre Hausaufgaben machen müssen: Korruption bekämpfen, die knappen Mittel gerechter verteilen. Ein erster Schritt für Simbabwe wären freie Wahlen – möglichst schnell.

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