Antisemitismus

Ultras in Italien missbrauchen Foto von Anne Frank für Hetze

Antisemitische Ausfälle sind in italienischen Fußballstadien nicht selten. Eine Aktion römischer Ultras sorgt nun für einen Aufschrei.

Zum Zeichen der Solidarität und gegen Antisemitismus montierte die Zeitung „La Repubblica“ das Foto von Anne Frank zusammen mit den Trikots großer italienischer Clubs.

Zum Zeichen der Solidarität und gegen Antisemitismus montierte die Zeitung „La Repubblica“ das Foto von Anne Frank zusammen mit den Trikots großer italienischer Clubs.

Foto: screenshot/la Republica.it

Rom/Berlin.  Fans des italienischen Fußballclubs Lazio Rom haben mit einer antisemitischen Aktion für Aufsehen gesorgt. Die Ultras des Vereins beklebten am Wochenende im heimischen Stadio Olimpico Wände und Pfeiler mit einem Bild der von den Nazis ermordeten Jüdin Anne Frank – per Fotomontage hatten sie dem im KZ Bergen-Belsen gestorbenen Mädchen ein Trikot des verhassten Lokalrivalen AS Rom "übergestreift".

Das Ganze geschah am Rande des Spiels Lazio gegen Cagliari. Die Lazio-Ultras pappten ihre Bildchen mit Bedacht genau in jener Kurve an die Wände, in der bei Heimspielen die Fans des AS Rom stehen.

Bilder in der gegnerischen Fankurve

Das Bild der Jüdin Frank in einem Trikot des AS Rom ist offenbar als Beleidigung an die "Romanisti" gedacht. Antisemitismus ist in den Fangruppen beider Hauptstadtvereine ebenso wie Fremdenfeindlichkeit weit verbreitet. Erst Anfang Oktober hatten Lazio-Ultras eine Stadionsperre erhalten, nachdem sie beim Meisterschaftsspiel gegen Sassuolo dunkelhäutige Spieler des Gegners mit rassistischen Sprechchören beleidigt hatten.

Die neuerliche Aktion mit dem Anne-Frank-Foto entfachte heftige Reaktionen in Italien. Die Tageszeitungen berichteten in großer Aufmachung über die "Schande" ("La Repubblica"). Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi schrieb auf Twitter: "Dies ist nicht Fußball, dies ist nicht Sport".

"Raus mit den Antisemiten aus den Stadien"

In dem sozialen Netzwerk formierte sich unter dem Hashtag #siamotuttiannafrank (Wir alle sind Anne Frank) der Widerstand gegen die Aktion der Ultras. "Das ist keine Kurve, das ist kein Fußball, das ist kein Sport. Raus mit den Antisemiten aus den Stadien", schrieb auch die Präsidentin der jüdischen Gemeinde in Rom, Ruth Dureghello.

Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella nannte die Aktion "unwürdig und alarmierend für unser Land". Das Tagebuch der Anne Frank, ihre Geschichte des Leidens und ihrer Ermordung durch die Nazis hätten "die Welt bewegt", so Mattarella.

Auch der italienische Fußballverband verurteilte den Vorfall in Rom scharf. Allerdings war der Verband wiederholt in die Kritik geraten, weil er fremdenfeindlichen und rassistischen Aktionen von Ultras nicht scharf genug entgegen getreten war.

"Mit dem Davidstern auflaufen"

Italiens Ex-Premier Matteo Renzi machte einen drastischen Vorschlag: "Wenn ich Präsident eines Fußballvereins wäre, würde ich morgen mit einem Davidstern statt mit dem Logo des Sponsors auflaufen." Er würde den Fans in der Kurve erklären, warum er Gänsehaut bekomme, wenn er den Namen Anne Frank ausspricht, so Renzi auf Facebook.

Fotomontage als Zeichen der Solidarität

"La Repubblica" veröffentlichte seinerseits eine Fotomontage. Sie zeigt das von den Ultras missbrauchte Foto von Anne Frank mit den Trikots aller großen italienischen Fußballclubs wie Juventus Turin oder Inter Mailand – als Zeichen der Solidarität und gegen Antisemitismus. Dazu schreibt die Zeitung: "Lassen wir sie nicht allein in der Hand der Gleichgültigkeit."

Skandal ein Thema im EU-Parlament

Der Skandal kam am Dienstag sogar im EU-Parlament zur Sprache. "Ich komme nicht umhin, das nachdrücklich zu verurteilen, was geschehen ist in Rom, in Italien, wo eine Gruppe von Hooligans ein Bild von Anne Frank verwendet hat, um Anhänger eines anderen Sportteams zu verunglimpfen", sagte Parlamentspräsident Antonio Tajani zu Beginn der Plenarsitzung in Straßburg. "Anne Frank als Beleidigung gegenüber einer anderen Gruppe einzusetzen, halte ich für sehr schwerwiegend."

Jeder in der EU habe das Recht, seine Religion frei auszuüben, und auch die Juden gehörten zur Europäischen Union, sagte Tajani. "Ich bin stolz darauf, jüdische europäische Mitbürger zu haben. Und ich glaube, der Antisemitismus muss als schreckliche Erfahrung der Geschichte der Vergangenheit angehören." (mit dpa)

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