Berlin/ Reykjavik

Alles noch viel schlimmer

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Finanzbericht: 447,6 Millionen Euro Verlust im ersten Halbjahr 2017. Schuldenstreit mit isländischem Flughafenbetreiber ist noch ungelöst

Berlin/ Reykjavik.  Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin ist im ersten Halbjahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Das geht aus demFinanzbericht hervor, der offenbar bereits Ende September im Internet veröffentlicht, aber erst jetzt bekannt wurde.

Demnach sind die Verluste in den ersten sechs Monaten auf fast 447,6 Millionen Euro gestiegen. Das sind gut 163 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz fiel zugleich von 1,7 auf rund 1,5 Milliarden Euro. Die Schuldenlast von Air Berlin betrug mit Stand 30. Juni 2017 rund 1,9 Milliarden Euro.

Im gleichen Atemzug relativierte Air Berlin die Aussagekraft des Zahlenwerks. „Mit den nachfolgenden Zahlen können wir nicht vorgeben, einen offenen und ehrlichen Blick auf die finanzielle Situation der Air-Berlin-Gruppe zu geben“, heißt es. Der Bericht sei zu einem Zeitpunkt entstanden, als noch vom Fortbestand der Airline ausgegangen worden sei. Nach dem Insolvenzantrag im August habe sich aber eine völlig neue Ausgangslage ergeben. „Air Berlin PLC warnt jeden Leser dieses finanziellen Statements, sich auf irgendeine der finanziellen Informationen zu verlassen, die darin enthalten sind“, schreibt Air Berlin in dem Bericht. Die Airline stellt am 27. Oktober den Flugverkehr ein, nachdem sie im August Insolvenz angemeldet hatte. Großaktionär Etihad wollte den Fortbestand des schon lange defizitären Unternehmens nicht weiter finanzieren.

Indes steckt ein Air-Berlin-Flugzeug, das eigentlich nach Düsseldorf fliegen sollte, weiter im isländischen Keflavik fest. Der Betreiber des internationalen Flughafens Keflavik, Isavia, wirft Air Berlin vor, Flughafengebühren nicht gezahlt zu haben. Deshalb gab es keine Starterlaubnis für die Maschine nach Düsseldorf. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost sagte Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel, man habe den Flughafen Keflavik auch über das Wochenende aufgefordert, „sein rechtswidriges Handeln“ umgehend zu beenden. Die Fluggesellschaft habe sämtliche seit der Insolvenzanmeldung am 15. August 2017 anfallenden Rechnungen pünktlich bezahlt. „Wir haben dem Flughafen Keflavik mehrfach mitgeteilt, dass er eventuell bestehende Forderungen von vor dem 15. August 2017 aufgrund des geltenden Insolvenzrechts zur Insolvenztabelle anmelden muss“, sagte Air-Berlin-Sprecher Kunkel. „Das gegenwärtige Verhalten der Flughafengesellschaft ist klar rechtswidrig. Es ist nicht akzeptabel und geht zu Lasten der Passagiere der Air Berlin“, so Kunkel. Alle Passagiere der betroffenen Maschine hatten laut Air Berlin trotz des Ausfalls noch in der Nacht zum Freitag Island verlassen können.

( pag/dpa )