Studie

So teuer wäre der Ganztagsausbau – wenn man es ernst meinte

Erst 40 Prozent der deutschen Schüler können einen Platz in der Ganztagsbetreuung bekommen. Eine Verdopplung würde richtig Geld kosten.

Mit einem Rechenschieber kommt man nicht weit, wenn es um die Investitionen geht, die für den Ausbau von Ganztagsplätzen nötig wären.

Mit einem Rechenschieber kommt man nicht weit, wenn es um die Investitionen geht, die für den Ausbau von Ganztagsplätzen nötig wären.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Berlin.  Die Mehrheit der Eltern wünscht sich Ganztagsplätze für Schulkinder, doch das Angebot hinkt noch immer hinterher. Die Bertelsmann Stiftung hat nun ausgerechnet, welche Anstrengungen nötig wären, damit wenigstens 80 Prozent der Schüler einen Platz bekommen könnten, doppelt so viele wie heute. Um in den nächsten acht Jahren 3,3 Millionen zusätzliche Ganztagsplätze zu schaffen, wären Investitionen in Milliardenhöhe nötig.

Die Erweiterung um 31.400 Lehrkräfte sowie weitere 16.200 pädagogische Fachkräfte würde jährlich etwa 2,6 Milliarden Euro kosten. Die kommunalen Schulträger müssten weitere 15 Milliarden Euro investieren, um die räumliche Infrastruktur aufzubauen, stellt die Bertelsmann-Studie „Gute Ganztagschule für alle“ fest.

Hamburg steht bei Ganztagsangebot gut da

Zwar kommt der Ausbau von Ganztagsschulen überall in Deutschland voran, kann aber mit dem steigenden Bedarf nicht mithalten. Gab es in den Schuljahren 2002/2003 gerade mal für jedes zehnte Schulkind in Deutschland einen Ganztagsplatz, konnten 2015/2016 bereits 40 Prozent der Schüler ein Ganztagsangebot in Anspruch nehmen.

Außerdem gibt es große regionale Unterschiede. Können in Hamburg 91,5 Prozent aller Schüler ein Ganztagesangebot in Anspruch nehmen, sind es in Bayern nur 16 Prozent. Über dem Durchschnitt liegen auch Nordrhein-Westfalen (46,3 Prozent), Niedersachen (49 Prozent), Thüringen (51,5 Prozent) oder auch Berlin (65,8 Prozent).

Bertelsmann-Vorstand fordert Rechtsanspruch

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, fordert, dass die neue Bundesregierung dem Ganztagsausbau Priorität geben müsse: „Wir brauchen jetzt einen nationalen Kraftakt für gute Ganztagsschulen. Bund, Länder und Kommunen können die nötigen Investitionen nur gemeinsam bewältigen.“ Außerdem fehle ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz. Die Einführung eines Rechtsanspruchs habe auch den Kita- und Krippenausbau ins Rollen gebracht, sagt Dräger.

Der Deutsche Städtetag hat sich unterdessen gegen die Forderung von CDU und Grünen nach einem Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen gestellt. „Ein Rechtsanspruch über die kommunale Jugendhilfe, wie er auf Bundesebene diskutiert wird, ist der falsche Weg“, sagte die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Eva Lohse, dieser Zeitung. Die kommunale Jugendhilfe sei dazu aus finanzieller, personeller und organisatorischer Sicht nicht geeignet. Lohse warnte „anlässlich der Sondierungsgespräche in Berlin davor, durch ein Bundesgesetz – angesiedelt in der kommunalen Jugendhilfe – einen Rechtsanspruch auf Betreuung und Förderung von Grundschulkindern zu schaffen“.

Lohse verweist auf den Bedarf an ganztägiger Betreuung und Förderung von Kindern in den Schulen, der seit Jahren wachse. „Deshalb ist es sinnvoll, den Elternwünschen entsprechend das Ganztagsangebot an Schulen auszubauen“, sagte Lohse, die auch Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen ist. „Die für die Schulen zuständigen Länder sollten dafür das nötige Geld in die Hand nehmen und dabei auch vom Bund unterstützt werden.“

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