Berlin

Spielmacher der Tegel-Retter

FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja hat früh auf das Flughafen-Thema gesetzt und seine Partei damit auf die Erfolgsspur geschickt

Berlin. Sein Gesicht war auf keinem Wahlplakat der FDP oder der Tegel-Kampagne zu sehen, und dennoch ist er der mit Abstand bekannteste Protagonist der Befürworter eines Weiterbetriebs am Stadtflughafen. Sebastian Czaja gilt als der „Tegel-Retter“ schlechthin, auch wenn die Liberalen im Bundestagswahlkampf versucht haben, ihrem Berliner Spitzenkandidaten Christoph Meyer dieses Attribut zu verleihen. Im Fußball würde man von Spielmacher sprechen. Doch Czaja ist nicht nur das Gesicht der Tegel-Kampagne, sondern auch der Berliner FDP. Dass die Partei in der Hauptstadt heute so gut dasteht wie seit sehr vielen Jahren nicht mehr, hat sie in erster Linie ihm zu verdanken.

Czaja erkannte früh, welche politische Sprengkraft die Debatte um die Zukunft des Flughafens entfalten kann und wie stark die emotionale Bindung vieler Berliner an TXL ist. Und vor allem, wie treffsicher man die Landesregierung mit dem Dauerärgernis BER atta­ckieren kann: Wird nicht fertig, ist zu klein und obendrein schlecht zu erreichen. Die Argumente mögen an einigen Stellen etwas simpel oder populistisch gestrickt sein, aber sie haben die Liberalen auf die Erfolgsspur geschickt. Sebastian Czaja führte sie als omnipräsenter Spitzenkandidat im vergangenen Herbst mit 6,7 Prozent zurück ins Abgeordnetenhaus. Im Wahlkampf hatten die anderen Parteien gespottet, die Liberalen hätten nur ein Thema. Hinterher lachte niemand mehr.

Der 34-Jährige gehört zur Riege derjenigen, die der FDP das Prädikat „runderneuert“ verschaffen sollen. Er ist zwar stets deutlich besser rasiert als der Bundesvorsitzende Christian Lindner, aber ebenfalls sehr smart. Immer hervorragend gekleidet, eloquent, höflich und kontrolliert im Auftreten und mit einer optimistischen Ausstrahlung gesegnet, um die ihn mancher Handelsvertreter beneiden würde.

Er kann aber auch austeilen, das hat er als Chef der zwölfköpfigen FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus unter Beweis gestellt. Nicht wenige halten ihn für den Oppositionsführer und nicht Florian Graf, den Fraktionsvorsitzenden der ungleich stärkeren CDU.

Sebastian Czaja hat politisches Talent, aber auch bereits eine lange politische Erfahrung. Er wuchs in Mahlsdorf, der wohl gutbürgerlichsten Ecke von Marzahn-Hellersdorf, als Sohn einer Krankenschwester und eines Elektromeisters auf. Mit 16 Jahren trat er in die CDU ein, wurde bereits zwei Jahre später Kreisvorsitzender der Jungen Union in seinem Bezirk. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Mario, dem späteren Gesundheits- und Sozialsenator, warb er für die Positionen der CDU in der tiefroten Diaspora.

2005 kehrte der gelernte Elektrotechniker den Christdemokraten den Rücken und trat in die FDP ein. Er war erst Bezirksverordneter, 2006 gelang ihm zum ersten Mal der Sprung ins Abgeordnetenhaus. 2009 wählte ihn seine Fraktion zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Bei der Wahl 2011 kam dann der politische Karriereknick wie für alle Mandatsträger der Liberalen: 1,8 Prozent, das bedeutete den Abschied aus dem Abgeordnetenhaus.

Sebastian Czaja kümmerte sich um die demoralisierten Truppen und wurde im September 2015 zum Generalsekretär der Berliner FDP gewählt. Ein halbes Jahr später war er dann Spitzenkandidat seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl – mit einer Kampagne, die quietschbunt daherkam, auf Jugendlichkeit setzte und auf sein Antlitz zugeschnitten war. Immerhin, einer der Slogans, „Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen“, kam zumindest im eigenen Lager so gut an, dass die Bundes-FDP ihn jetzt im Wahlkampf recycelte. Sebastian Czaja hat eben ein gutes Näschen für politische Stimmungen.