Bundestagswahlkampf

AfD-Politiker Gauland relativiert Verbrechen der Wehrmacht

AfD-Politiker Gauland provoziert im Wahlkampf mit einer Äußerung zur Nazi-Zeit. Er forderte die Neubewertung der Taten der Wehrmacht.

Interview Alexander Gauland: Die kontroversesten Zitate des AfD-Spitzenkandidaten

Alexander Gauland: Unsere Redaktion trifft den AfD-Spitzenkandidaten zum Exklusiv-Interview. Das sind die kontroversesten Zitate.
Fr, 18.08.2017, 16.24 Uhr

Interview Alexander Gauland: Die kontroversesten Zitate des AfD-Spitzenkandidaten

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Berlin.  AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit gefordert. In einer bislang wenig beachteten Rede vor Anhängern sagte Gauland am 2. September bei einem "Kyffhäuser-Treffen" der AfD in Thüringen, kein anderes Volk habe "so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche".

Mit Blick auf die NS-Zeit von 1933 bis 1945 fügte Gauland hinzu: "Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen." (Im Video ab Minute 14.)

Gauland forderte außerdem eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen. Wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, "haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen", sagte Gauland in seiner von der AfD auch auf YouTube veröffentlichten Rede. Das Internet-Portal "BuzzFeed" hatte zuerst über die Rede berichtet.

Der Zweite Weltkrieg hatte am 1. September 1939 mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen begonnen und endete in Europa am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. Die Zahl der Kriegsopfer wird von Historikern auf weltweit 60 bis 70 Millionen geschätzt.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen Gauland

Der AfD wird von Kritikern seit längerem eine mangelnde Abgrenzung zu rechtsextremistischen Gruppierungen vorgeworfen. Gauland gilt als Exponent des nationalkonservativen Flügels der Partei.

Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt. Anlass für die Ermittlungen sind seine umstrittenen Äußerungen über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD). Gauland hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen davon gesprochen, Özoguz in Anatolien zu "entsorgen". (rtr/dpa)

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