Personalie

Richard Grenell wird neuer US-Botschafter in Deutschland

| Lesedauer: 4 Minuten
Dirk Hautkapp
Richard Grenell.

Richard Grenell.

Foto: imago stock / imago/ZUMA Press

Trump schickt einen erfahrenen und bestens vernetzten Karriere-Diplomaten nach Berlin. Richard Grenell soll US-Botschafter werden.

Washington.  Seit dem vor sieben Monaten vollzogenen Abzug von John Emerson ist der Posten des amerikanischen Botschafters in Berlin vakant. Jetzt soll diese wichtige diplomatische Stelle wieder besetzt werden.

Richard Grenell (50) soll künftig in der deutschen Hauptstadt die Interessen der US-Regierung vertreten. Präsident Donald Trump wolle den früheren US-Sprecher bei den Vereinten Nationen (UN) als Botschafter nach Berlin schicken, teilte das Weiße Haus am Freitagabend (Ortszeit) mit. Der US-Senat müsste eine offizielle Nominierung noch bestätigen.

Sprachrohr bei den Vereinten Nationen

Mit Grenell kommt kein millionenschwerer Spender aus dem Wahlkampf, sondern ein erfahrener Karriere-Diplomat an die Spree, der international bestens vernetzt ist. Der aus der Kleinstadt Jenison im US-Bundesstaat Michigan stammende und in einem streng evangelikalen Elternhaus erzogene Grenell war unter Präsident George W. Bush Amerikas Sprachrohr bei den Vereinten Nationen in New York. Er diente diversen UN-Botschaftern und war zwischenzeitlich als Ersatz sogar im UN-Sicherheitsrat stimmberechtigt.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 beriet er den republikanischen Kandidaten Mitt Romney in Fragen der nationalen Sicherheit, zog sich nach dem Protest von rechten Gruppen aber zurück.

Nun gilt er als einer der ersten und stärksten Unterstützer des außenpolitischen Kurses von Donald Trump. Grenell befürwortet eine „muskulöse“ Diplomatie, um militärische Aktionen zu vermeiden. „Wenn Diplomaten versagen“ sagt er, „übernimmt das Pentagon die Akte. Und dort wird nicht verhandelt.“

Gefragter Interviewpartner in den Medien

Nach Angaben des US-Senders CNN hat Grenell unter anderem bei Verhandlungen des Atomabkommens mit dem Iran bereits mit deutschen Diplomaten zusammengearbeitet. Grenell gilt allerdings als Verfechter eines harten Kurses gegen Teheran, dürfte eine Ausweitung der Handelsbeziehungen mit dem Westen wie sie vor allem von der Bundesrepublik angestrebt wird, skeptisch sehen.

Grenells Expertise in den Themen internationaler Terrorismus, Nordkorea oder Iran macht den seit seinem 33. Lebensjahr offen homosexuell lebenden Republikaner zu einem gefragten Interviewpartner in den Medien. Im konservativen Sender Fox News ist Grenell, der im Kurzmitteilungsdienst Twitter (knapp 67.000 Follower) zu den eifrigsten und bissigsten Kommentatoren des Tagesgeschehens gehört, bisher häufiger Gast.

Im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf stellte sich Grenell früh hinter Donald Trump und verteidigte den New Yorker Geschäftsmann regelmäßig gegen Kritiker. Trumps Attacken gegen die Zahlungsbereitschaft mancher Nato-Mitglieder etwa nannte Grenell den Versuch eines Geschäftsmannes, das westliche Verteidigungsbündnis zu reformieren. „Es geht nicht darum, die Nato los zu werden.“

Diese Mitarbeiter hat Donald Trump bereits verschlissen
Diese Mitarbeiter hat Donald Trump bereits verschlissen

Grenell erkrankte 2013 an Krebs

Der rhetorisch beschlagene Harvard-Absolvent war 2013 an Krebs erkrankt und musste sich einer Chemotherapie unterziehen. Auch darum reagierte Grenell emotional („Ich hasse Krebs“) im Juli auf die Nachricht, dass beim republikanischen Urgestein John McCain ein bösartiger Gehirntumor entfernt wurde. Grenell hatte den Senator aus Arizona lange politisch beraten. Beide schätzen sich sehr.

Im republikanischen Lager gilt Grenell wegen seiner offen gelebten Homosexualität als Außenseiter. Weil er gemeinsam mit seinem Lebenspartner, ebenfalls ein evangelikaler Christ, aber ein gottesfürchtiges Leben mit regelmäßigen Gebeten und Kirchenbesuchen lebt, haben latent schwulenfeindliche Gruppierungen im konservativen Lager mit Grenell ihren Frieden gemacht.

Grenell hatte vor wenigen Tagen nach einem Treffen mit Präsident Donald Trump ein Foto von dem Treffen ins Internet gestellt und dazu geschrieben: „Danke, Mr. President.“ Gerüchte hatten ihn bereits als möglichen UN- oder Nato-Botschafter der USA genannt. Bereits Ende Juli kursierten auch bereits Meldungen, dass er für den Botschafterposten in Deutschland vorgesehen sei.

Nun wird er wohl bald von Kalifornien aus, wo er eine Beratungsfirma für Politik und Medien führt, mit seinem langjährigen Lebenspartner Matt Lashley nach Berlin kommen und die Residenz in Dahlem beziehen. Die Geschäfte werden derzeit noch vertretungsweise vom Gesandten Kent Logsdon wahrgenommen. Diplomaten in Deutschland und den USA hatten im Interesse der diplomatischen Zusammenarbeit auf eine rasche Besetzung der Stelle gehofft.

Sechs Monate Trump: Das waren seine größten Fehltritte
Sechs Monate Trump: Das waren seine größten Fehltritte