Bundestagswahl

„Die Partei“ – So schräg veralbert Nico Semsrott die Wahl

Mit einem ungewöhnlichen Wahlspot wirbt „Die Partei“ um die Nichtwähler. Ein Kabarettist nimmt den schlappen Wahlkampf auf die Schippe.

Kabarettist mit politischen Ambitionen: Nico Semsrott

Kabarettist mit politischen Ambitionen: Nico Semsrott

Foto: imago stock&people / imago/Eßling

Berlin.  Ein verschlafener Typ mit Kapuzenpulli und Nerd-Brille liegt im Bett und macht Wahlkampf. Das Objekt seiner Begierde: der Nichtwähler. „Wenn es euch egal ist, wer im Bundestag sitzt“, so seine Werbe-Botschaft, „wäre es dann nicht schön, von jemandem vertreten zu werden, dem es egal ist, dass er im Bundestag sitzt?“ Bundestagswahlkampf als Satire.

Der Kapuzenträger ist der Kabarettist Nico Semsrott und sein Wahlspot für „Die Partei“ läuft inzwischen auch im Fernsehen. Im Internet ist der schräge Auftritt des selbst ernannten „Demotivationstrainers“ Semsrott („Wir geben der Krise ein Gesicht“) bereits ein Hit. Bei Youtube etwa wurde der Clip bereits mehr als 156.000 Mal aufgerufen.

Mit seiner schrägen Prozent-Arithmetik, wie die Mobilisierung der Nichtwähler am 24. September die AfD, die FDP „und mit ein bisschen Glück sogar die SPD“ unter die Fünf-Prozent-Grenze drücken könnte, nimmt er gleichzeitig die Umfrageflut aufs Korn. Dem Onlineportal „Jetzt“ sagte Semsrott: „Ich finde AfD und FDP aus dem Bundestag raushalten zu wollen, ist sehr konstruktiv.“

Semsrott ist Spitzenkandidat in Berlin

Kabarettist Semsrott, ausgezeichnet unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2017, führt zur Bundestagswahl die Berliner Landesliste der Partei „Die Partei“ als Spitzenkandidat an. Hat die 2004 von Ex-„Titanic“-Chef Martin Sonneborn gegründete Partei mit ihrem Spaß-Wahlkampf eine Chance, in den Bundestag einzuziehen. Die Chancen sind gering für die „Kleinpartei mit parodistischem Charakter“, wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia die Gruppierung unfreiwillig komisch charakterisiert.

Allerdings: Bei der Europawahl 2014 holte „Die Partei“ einen Sitz im EU-Parlament, in Person von Parteichef Sonneborn. Damals reichten 0,63 Prozent der Stimmen für das Mandat.

Semsrott selbst findet seinen Spot übrigens nicht schräger als die Wahlwerbung der etablierten Parteien: „Ich gucke mir die anderen Inhalte an und frage mich die ganze Zeit: Meinen die das ernst?“

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